In Deutschland wird die Vorbereitung des Gesundheitssystems auf mögliche Kriegsereignisse zunehmend in den Fokus gerückt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, im Sommer 2026 einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das Gesundheitssystem auf den Verteidigungsfall einstellt. Ziel dieses Gesetzes, das den Namen Gesundheitssicherstellungsgesetz tragen soll, ist es, nicht nur die reguläre Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, sondern auch die Verletzten der Bundeswehr und von NATO-Partnern zu versorgen. Warken hebt hervor, dass Deutschland sich neben Unwettern und Pandemien auch auf Kriegsszenarien einstellen muss. Eine umfassende Vorbereitung ist daher notwendig, um die Resilienz des Gesundheitssystems zu stärken (Quelle).
Im Rahmen des neuen Gesetzes sollen klare Zuständigkeiten, funktionierende Kommunikationswege, ausreichende Behandlungskapazitäten sowie Vorräte an Arzneimitteln und Medizinprodukten festgelegt werden. Warken identifiziert dabei Schwachstellen im Lagebild, der Datenlage und der Qualifikation des Personals im Gesundheitswesen. Derzeit besteht Unklarheit über die Anzahl der Beschäftigten mit spezifischen Kenntnissen für Kriegslagen, und es gibt keine zentrale Erfassung dieser relevanten Daten. Um Doppelstrukturen zu vermeiden, finden Gespräche mit dem Verteidigungs- und Innenministerium statt, um die zukünftige Verantwortung zu klären (Quelle).
Schwachstellen im System
Fachleute warnen, dass das deutsche Gesundheitswesen bislang nicht krisenfest ist. Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, betont, dass der Staat die notwendigen Mittel bereitstellen sollte, um die Resilienz zu stärken. Professor Dr. Leif Erik Sander von der Charité in Berlin sieht erhebliche Defizite, darunter Investitionsstau, veraltete Infrastruktur, Fachkräftemangel und mangelnde Digitalisierung. Diese Punkte müssen dringend angegangen werden, um eine angemessene Gesundheitsversorgung im Krisenfall zu gewährleisten (Quelle).
Besonders alarmierend sind die Hinweise von Dr. Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, der darauf hinweist, dass bereits vor einem NATO-Bündnisfall Handlungen, wie Cyberangriffe, das Gesundheitssystem belasten könnten. Im Bündnisfall rechnet das Bundesamt für Katastrophenschutz mit täglich rund 1.000 neuen Soldaten, die in Kliniken versorgt werden müssen. Dies stellt die Krankenhäuser vor große Herausforderungen, da die zivile Infrastruktur oft nicht auf solche Belastungen vorbereitet ist.
Erforderliche Maßnahmen für eine bessere Vorbereitung
Die Diskussion um die Vorbereitung des Gesundheitssystems auf Kriegsszenarien hat bereits zu ersten Maßnahmen geführt. Führende Hilfsorganisationen warnen vor unzureichender Ausstattung und Krisenmanagement, was den Schutz der Bevölkerung gefährden könnte. Derzeit existieren keine Notfallpläne für den Kriegsfall, und die Bundesärztekammer fordert eine klare Resilienzstrategie. Um die Zusammenarbeit zwischen zivilen Krankenhäusern und der Bundeswehr zu verbessern, plädieren Experten für klare Verträge sowie offizielle Aufträge für gemeinsame Übungen.
Die Notwendigkeit eines Gesundheitssicherstellungsgesetzes wird von nahezu allen Experten bekräftigt, um Zuständigkeiten und Verfahren im Krisenfall zu regeln. Die unzureichende Vorbereitung des Gesundheitssystems auf Kriegsereignisse, insbesondere die Abhängigkeit von ausländischer Produktion für Schutzausrüstung und Medikamente, stellt ein zusätzliches Risiko dar. Um den Herausforderungen eines möglichen Krieges gerecht zu werden, muss das Gesundheitssystem dringend reformiert und auf Krisenlagen ausgerichtet werden.
Insgesamt zeigt sich, dass die aktuelle Situation im deutschen Gesundheitswesen Anlass zur Sorge gibt. Die geplanten Gesetzesänderungen bieten jedoch die Chance, die notwendigen strukturellen und organisatorischen Veränderungen einzuleiten, um die Bevölkerung im Notfall besser schützen zu können.