Heute ist der 23.03.2026 und die Situation der Apotheken in Deutschland ist besorgniserregend. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) hat zu einem bundesweiten Streik aufgerufen, um gegen die „chronische Unterfinanzierung“ der Apotheken zu protestieren. Der Streik am heutigen Tag soll auf die drängenden Probleme aufmerksam machen, die die Branche plagen. Die ABDA fordert nicht nur höhere Honorare für Apotheker, sondern auch eine grundlegende Reform des Vergütungssystems, das seit 2013 kaum angehoben wurde. Derzeit liegt das feste Honorar bei 8,35 Euro, während eine Anhebung auf 9,50 Euro im Koalitionsvertrag festgeschrieben, aber noch nicht umgesetzt wurde.
Politische Unterstützung für die Apotheker kommt unter anderem von Stephan Pilsinger (Unionsfraktion), der sogar vorschlägt, das Honorar für ländliche Apotheken auf 11,50 Euro zu erhöhen. Ates Gürpinar von der Linken äußert sich ebenfalls unterstützend und kritisiert die Unterschätzung der Apotheken durch die Politik. Während des Streiks werden Notdienst-Apotheken die Versorgung sicherstellen, und eine Übersicht der geöffneten Apotheken ist online verfügbar.
Rückgang der Apotheken in Deutschland
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ende 2025 gab es in Deutschland nur noch rund 16.600 öffentliche Apotheken, was einen Rückgang von 440 im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Im Jahr 2025 mussten über 500 Apotheken schließen, während nur 62 neu eröffnet wurden. Dies ist der niedrigste Stand seit den 1970er-Jahren. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig: Insolvenzen, Personalmangel, Nachfolgeprobleme und eine stagnierende Vergütung tragen zur Schließung von Apotheken bei.
Die ABDA macht auf die dramatischen Auswirkungen dieser Entwicklung aufmerksam. Jede fünfte Apotheke hat seit 2013 geschlossen, was die Erreichbarkeit von Arzneimitteln für viele Menschen erschwert. Besonders betroffen sind ländliche Regionen und strukturschwache Stadtteile. Die Apothekendichte in Deutschland liegt bei gerade einmal 21 Apotheken je 100.000 Einwohner, im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 32 Apotheken. Dies zeigt eindrücklich, dass Deutschland im internationalen Vergleich hinterherhinkt und eine kontinuierlich sinkende Apothekendichte seit 2004 zu verzeichnen hat.
Ursachen des Apothekensterbens
Die Ursachen des Apothekensterbens sind vielschichtig. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, dass immer mehr Apotheken die Versorgung in ihrem Umfeld allein stemmen müssen. Vor zehn Jahren gab es in 27 Kommunen in NRW nur eine Apotheke, heute sind es bereits 48. Dies führt zu längeren Wegen für Patienten, insbesondere nachts und am Wochenende, wie Michael Schmitz von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe warnt.
Die Hauptfaktoren für die Schließungen sind das Alter der Inhaber, Schwierigkeiten bei der Nachfolgersuche, ein akuter Mangel an Personal und ein geringer Jahresumsatz. ABDA-Präsident Thomas Preis äußert, dass die Schließungen die Resilienz der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung gefährden. Die Kosten für Apotheken sind seit 2013 um etwa 65 Prozent gestiegen, was zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen führt.
Politische Reaktionen und Ausblick
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat ein Reformpaket angekündigt, das neue Angebote in Apotheken und Lockerungen der Vorschriften umfasst. Dennoch gibt es Bedenken, dass diese Reformen kapitalgetriebenen Konzernen den Zugang zum Markt erleichtern könnten. Der Druck auf die Politik, endlich zu handeln, wächst, nicht zuletzt durch die Unterstützung von verschiedenen politischen Akteuren und die eindringlichen Warnungen der ABDA.
In diesem Kontext ist es wichtig, die Entwicklungen genau zu beobachten, denn die Zukunft der Apotheken in Deutschland steht auf der Kippe. Die Forderung nach einer Erhöhung des Festzuschlags ist nicht nur eine Frage der finanziellen Unterstützung, sondern auch eine Frage der Versorgungssicherheit für die Bevölkerung. Die Apotheken sind ein zentraler Bestandteil des Gesundheitssystems, und ihre Schließungen könnten weitreichende Folgen haben.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die Quelle der Euronews sowie die Apotheken Umschau konsultieren.



