Am 20. Februar 2026 wurde eine offizielle deutsche Leitlinie zur Stilldauer veröffentlicht, die Empfehlungen für Eltern und medizinisches Fachpersonal bietet. Diese neuen Richtlinien empfehlen, dass Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend gestillt werden sollten. Nach diesen ersten sechs Monaten wird empfohlen, die Stillzeit bis zum ersten Geburtstag fortzusetzen. Vor dieser Veröffentlichung gab es keinen konkreten Zeitrahmen für das Stillen, was für viele Eltern eine Unsicherheit darstellte. Die Leitlinie wurde von 26 Fachgesellschaften und Fachverbänden, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ) sowie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), herausgegeben.

Die Empfehlungen der neuen S3-Leitlinie basieren auf einer systematischen Literaturrecherche und einer Evidenzbewertung nach GRADE-Standard. Hierbei wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Müttern und Kindern analysiert, einschließlich der Auswirkungen auf kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie auf die Gesundheit der stillenden Frauen. Besonders hervorzuheben sind die positiven Effekte des Stillens, die unter anderem eine geringere Häufigkeit von Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Infekten sowie ein reduziertes Risiko für Leukämie, Autismus und ADHS umfassen. Längeres Stillen senkt zudem das Brustkrebsrisiko bei Frauen um 25 bis 40 Prozent. Muttermilch enthält sogar Stammzellen, die Krebssituationen beeinflussen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Beweislage nicht immer eindeutig ist, insbesondere bei Themen wie Asthma und Adipositas.

Empfehlungen für die Stillpraxis

Die neuen Richtlinien definieren verschiedene Formen des Stillens: Ausschließliches Stillen bedeutet, dass das Baby nur Muttermilch erhält, während beim überwiegenden Stillen zusätzlich nur Wasser oder Tee gegeben werden darf. Das Teilstillen hingegen erlaubt die Gabe von Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost. Diese klaren Definitionen sollen Eltern und Fachpersonal eine einheitliche Orientierung bieten. Die Empfehlungen sind nicht rechtlich bindend und sollen keinen moralischen Druck auf Frauen ausüben, die nicht stillen wollen oder können.

Die Veröffentlichung der S3-Leitlinie ist ein bedeutender Schritt zur Auflösung der Diskrepanz zwischen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den deutschen Handlungsempfehlungen zur Stilldauer. Der interdisziplinäre Konsens, der bei der Erstellung der Leitlinie erzielt wurde, ermöglicht eine einheitliche Kommunikation der Empfehlungen und stellt eine wissenschaftlich fundierte Orientierung für Eltern und Gesundheitsfachpersonen dar.

Ausblick und Kontext

Die Diskussion um das Stillen und die entsprechenden Empfehlungen wird durch die bereits erwähnten positiven gesundheitlichen Effekte untermauert. Dennoch bleibt es wichtig, dass jede Mutter und jede Familie die für sich passende Entscheidung trifft. In diesem Zusammenhang wird auf die zukünftigen Veröffentlichungen zu wirksamen Interventionen zur Stillförderung hingewiesen, die weiterführende Unterstützung bieten sollen.

Eltern, die an weiteren Informationen interessiert sind, können sich auf den Internetauftritt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) umsehen, obwohl es in der Vergangenheit technische Schwierigkeiten mit dem Zugang zu bestimmten Dokumenten gab. Dort finden sich auch häufig nachgefragte Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen.