Die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems steht vor einer entscheidenden Wende. In den nächsten 10-15 Jahren werden die zahlenmäßig stärksten Jahrgänge in den Ruhestand gehen, darunter auch 30% des Gesundheitsfachpersonals. Der Wissenschaftsrat warnt, dass dies zu einer erheblichen Belastung des Gesundheitssystems führen wird, wenn nicht umgesteuert wird. Es ist höchste Zeit, den Fokus auf Gesundheit und Prävention zu legen, anstatt sich nur auf die Reparatur von Krankheiten zu konzentrieren. Trotz des vorhandenen Wissens über Prävention wird diese in Deutschland nur unzureichend umgesetzt. Im Jahr 2021 wurden in Deutschland 203.000 vermeidbare Todesfälle geschätzt, von denen 138.000 durch Prävention hätten verhindert werden können.
Die häufigsten Todesursachen umfassen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten, alkoholbezogene Störungen und Suizide. Der Wissenschaftsrat fordert daher eine konsequente Verhaltensprävention und Regulierung von Alkohol, Zucker und Tabak. Zudem werden Belohnungssysteme für gesunde Lebensweisen als mögliche Maßnahmen vorgeschlagen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken setzt hingegen auf Aufklärung und Freiwilligkeit in der Regulierung des Alkohol- und Zuckerkonsums. Es zeigt sich, dass eine stärkere Vernetzung von wissenschaftlicher Expertise und effektiven Wissenstransfer dringend erforderlich ist.
Stärkung der Prävention und Gesundheitsstrukturen
Um die Gesundheitskompetenz und -kommunikation zu verbessern, sollten kulturelle und soziale Faktoren berücksichtigt werden. Gesundheitserziehung kann bereits in Schulen beginnen, um die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu fördern. Interdisziplinäre Strukturen für Präventionsforschung, wie Präventionszentren an Hochschulen, werden gefordert. Eine stärkere präventionsorientierte Ausbildung in medizinischen Berufen ist ebenfalls notwendig. Gesundheit sollte als verbindliches Ziel in allen Politikbereichen verankert werden, da eine gesamtstaatliche Strategie für Prävention fehlt, was zu einer finanziellen Belastung durch steigende Sozialversicherungsbeiträge führen könnte.
Ein Ansatz zur Verbesserung der Prävention könnte die kommunale Gesundheitsförderung sein, die im Artikel von Katharina Böhm (2017) thematisiert wird. Hierbei spielen regionale Unterschiede und die Verantwortung der Kommunen eine wichtige Rolle. Zudem wird in der Analyse von Böhm und Klinnert (2019) die Umsetzung des Präventionsgesetzes auf Länderebene unter die Lupe genommen, was für die Praxis von großer Bedeutung ist. Das Bundesministerium für Gesundheit hat 2024 den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst veröffentlicht, um die Strukturen weiter zu stärken.
Soziale Determinanten der Gesundheit
Die Berücksichtigung sozialer Determinanten der Gesundheit ist entscheidend für eine erfolgreiche Präventionsstrategie. Das Robert Koch-Institut (RKI) analysiert relevante gesellschaftliche Entwicklungen, um gesundheitliche Ungleichheiten aufzuzeigen. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem soziale Ungleichheit, Migration und regionale Unterschiede. Die Analysen basieren auf Daten des Gesundheitsmonitorings und anderen bevölkerungsrepräsentativen Datenquellen, um spezifische Unterschiede in der Gesundheit zu identifizieren. Diese Erkenntnisse bieten Anknüpfungspunkte für Prävention, Gesundheitsförderung und die Versorgung von Bevölkerungsgruppen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem nicht nur durch den demografischen Wandel bedingt sind, sondern auch durch die mangelnde Umsetzung präventiver Maßnahmen. Eine integrierte Strategie, die Prävention in den Mittelpunkt rückt und soziale Determinanten berücksichtigt, ist unerlässlich, um die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu fördern und zu schützen. Weitere Informationen finden Sie in den Quellen: FAZ, Bundeszentrale für politische Bildung und Robert Koch-Institut.