Heute ist der 22.02.2026. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China stehen aktuell im Fokus, insbesondere durch den bevorstehenden Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Peking, seine erste Reise dorthin in seiner Amtszeit. China gilt als bedeutender Markt für deutsche Unternehmen, allerdings gibt es zunehmende Handelshemmnisse, die die Situation erschweren. Im Jahr 2025 überstiegen die Importe aus China den Wert der Exporte nach China um rund 90 Milliarden Euro, was zu einem Handelsbilanzdefizit führte, das um über ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr stieg. Die Ausfuhren nach China sanken um fast zehn Prozent, was China auf Platz sechs der wichtigsten deutschen Exportpartner fallen ließ. Diese Situation wird vom IW-Experten Jürgen Matthes als „China-Schock“ bezeichnet.
Die deutsche Wirtschaft importiert vor allem elektronische Geräte, Batterien, Maschinen, Textilien und chemische Erzeugnisse aus China. Umgekehrt sind die wichtigsten Exportgüter Deutschlands Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Trotz der Herausforderungen investierten deutsche Firmen im Jahr 2025 rund sieben Milliarden Euro neu in China, was einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Dennoch klagen Unternehmen über Marktzugang, undurchsichtige Regelungen und Nachteile gegenüber chinesischen Wettbewerbern. Diese Probleme werden durch Exportbeschränkungen bei Rohstoffen und lange Wartezeiten, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, noch verstärkt.
Risiken und Chancen der Abhängigkeit
Der DIHK-Präsident Peter Adrian hebt die Chancen hervor, die sich durch den technologischen Fortschritt in China bieten, warnt jedoch gleichzeitig vor den wachsenden Risiken. Besonders die deutsche Automobilindustrie ist stark von chinesischen Zulieferungen abhängig, vor allem bei Batterien. China dominiert die weltweite Verarbeitung seltener Erden mit über 90 Prozent, und seit April 2025 erfordern Exportbeschränkungen für diese Rohstoffe aufwendige Genehmigungsverfahren für deutsche Firmen. Dies zeigt, wie dringend Deutschland und Europa Risiken mindern müssen, um zukünftige Kosten zu vermeiden.
Die Strategie der Ampel-Regierung von 2023, die auf De-Risking abzielt, soll helfen, Abhängigkeiten von China zu reduzieren, ohne jedoch den Handel zu gefährden. Diese Strategie wird von Experten kritisch betrachtet; Matthes fordert Risikoanalysen zur Identifizierung von Importabhängigkeiten. Besonders gefährlich wird die Situation durch mögliche Sanktionen im Falle eines Konflikts um Taiwan, da diese ein unkalkulierbares Risiko darstellen könnten.
Investitionen und wirtschaftliche Verflechtungen
Trotz dieser Bedenken investieren deutsche Unternehmen weiterhin stark in China, was die enge wirtschaftliche Verflechtung belegt. Über 5000 deutsche Unternehmen sind in China aktiv, und im Jahr 2022 importierte Deutschland Waren im Wert von 192 Milliarden Euro aus China, während Exporte im Wert von 107 Milliarden Euro dorthin gingen. Diese Beziehungen sind nicht nur lukrativ, sondern auch gefährlich, da es Bedenken wegen Menschenrechtsverletzungen und militärischer Bedrohungen gibt.
Die Bundesregierung verfolgt eine De-Risking-Strategie, um gefährliche Abhängigkeiten abzubauen und Risiken zu analysieren. Während dies zusätzliche Kosten für Unternehmen verursachen könnte, gibt es jedoch keine Verpflichtung zur Offenlegung von Risiken. Die Herausforderungen, insbesondere bei Seltenen Erden, chemischen Grundstoffen und Elektronikartikeln, sind weiterhin groß. Eine umfassende Analyse der Abhängigkeiten wird gefordert, um Risiken besser zu verstehen.
Finanzielle Verwundbarkeit und zukünftige Strategien
Die finanziellen Verflechtungen birgen zusätzliche Risiken für die deutsche Wirtschaft. Verwerfungen im Verhältnis zu China könnten schwerwiegende Folgen für stark investierte Unternehmen haben und somit auch das deutsche Bankensystem beeinträchtigen. Ende 2022 waren 756 Unternehmen als besonders exponiert eingestuft, da mindestens 10% ihres Umsatzes, Eigenkapitals oder der Beschäftigten auf chinesische Auslandstöchter entfallen. Die Forderungen inländischer Banken gegenüber diesen Unternehmen beliefen sich auf nahezu 220 Milliarden Euro, was fast 7% der risikogewichteten Aktiva und fast 42% des harten Kernkapitals entspricht.
Strengere Kriterien zur Abgrenzung potenziell gefährdeter Unternehmen könnten zu geringeren Gesamtforderungen führen. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von China eine Herausforderung. Es ist klar, dass auch Unternehmen ohne eigene Töchter in China erhöhten Risiken ausgesetzt sind, etwa durch Beteiligungen an anderen Unternehmen mit hohen Direktinvestitionen in China. In Anbetracht dieser komplexen Situation ist es für Deutschland von entscheidender Bedeutung, neue Strategien zu entwickeln, um die Abhängigkeiten von China auf ein vertretbares Maß zu reduzieren und gleichzeitig die wirtschaftlichen Beziehungen nicht zu gefährden. Weitere Informationen zu den Herausforderungen und Strategien finden Sie in den Berichten der Bundesbank sowie in den Analysen von n-tv und Volksstimme.