Heute ist der 6.04.2026. Das Thema der Wartezeiten auf Facharzttermine ist in Deutschland ein ständiger Begleiter für viele Patienten. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat jüngst die Forderung nach einer Garantie für Facharzttermine innerhalb von drei Wochen als „Bullshit“ und „sozialistische Regelungswut“ bezeichnet. Diese Äußerung kam als Reaktion auf den Vorschlag des SPD-Fraktionschefs Matthias Miersch, der einen gesetzlichen Anspruch auf zeitnahe Facharzttermine fordert. Laut Miersch sei eine Wartezeit von drei Wochen angemessen und er kritisiert, dass privatversicherte Patienten in der Regel schneller einen Termin erhalten als gesetzlich Versicherte. Um Ärzte zu motivieren, Termine anzubieten, schlägt er ein „Bonus-Malus-System in der Ärztevergütung“ vor, das Budgetkürzungen für Ärzte vorsieht, die keine Termine anbieten können.
Gassen hingegen betont, dass die Vergabe von Terminen nach medizinischer Notwendigkeit erfolgen sollte. Er weist darauf hin, dass jährlich rund eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte stattfinden und über 40 Millionen Termine von Fachärzten ohne Vergütung angeboten werden. Gassen hält die Idee eines Bonus-Malus-Systems für unrealistisch und fordert eine klarere Definition von dringenden Terminen. Er schätzt, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Termine wirklich dringend ist, während die Mehrheit der Patienten mehrere Wochen oder Monate auf einen Termin warten muss. Die durchschnittliche Wartezeit für gesetzlich Versicherte betrug im Jahr 2024 42 Tage, im Vergleich zu 33 Tagen im Jahr 2019.
Reformvorschläge und Einsparungen im Gesundheitswesen
Die Diskussion um die Terminvergabe wird auch von den Reformplänen der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken begleitet, die ein Sparpaket plant, um höhere Krankenkassenbeiträge zu vermeiden. Eine Expertenkommission hat bereits 66 Empfehlungen vorgelegt, um die Kassen angesichts steigender Ausgaben zu entlasten. Eine der geplanten Reformen sieht vor, dass Versicherte zunächst zum Hausarzt gehen, der dann bei Bedarf zum Facharzt überweist. Diese Reform soll voraussichtlich 2028 in Kraft treten.
Ein weiteres wichtiges Element in der Debatte ist die Ungleichheit zwischen gesetzlich und privat versicherten Patienten. Während viele gesetzlich Versicherte mit langen Wartezeiten konfrontiert sind, erhalten privat Versicherte oft schneller einen Termin. Die Daten der Versichertenbefragungen von 2010 bis 2021 zeigen, dass die Mehrheit der Befragten sofort einen Termin erhält, es jedoch auch Patienten gibt, die längere Wartezeiten erleben müssen. In den letzten Jahren haben sich die Wartezeiten zwischen den beiden Gruppen jedoch einander angenähert.
Fazit: Ein komplexes Problem
Die aktuelle Diskussion um Facharzttermine zeigt, wie komplex das Gesundheitssystem in Deutschland ist. Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Wartezeiten beeinflussen, und eine einfache Lösung scheint nicht in Sicht. Die Forderung nach einer Termingarantie wird von den Kassenärzten vehement abgelehnt, während die Politik versucht, durch Reformen und neue Vergütungssysteme eine Verbesserung zu erreichen. Patienten müssen sich weiterhin auf lange Wartezeiten einstellen, während die Debatte über die beste Lösung für alle Beteiligten weitergeht. Weitere Informationen zu den Wartezeiten und der aktuellen Situation finden Sie in der Quelle der KBV.
Für mehr Details zu den Forderungen und der aktuellen Lage im Gesundheitswesen besuchen Sie bitte die Artikel auf Zeit Online und Ärzteblatt.