Die Verbreitung von Falschinformationen ist ein ernstes Problem, das immer wieder in den Schlagzeilen auftaucht. Aktuell sorgt ein Bericht über angebliche deutsche Investitionen in ein Fußballstadion in Belém, Brasilien, für Aufregung. Dieser Bericht stammt von der Website Nova Resistência und wurde am 19. Januar veröffentlicht. Laut dem Artikel soll Deutschland eine Summe von 1,4 Milliarden Euro in das Stadion investieren, angeblich als Wiedergutmachung für eine Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Klimagipfel. Doch wie sich herausstellt, ist diese Information nicht nur falsch, sondern wurde auch offiziell von einem Regierungssprecher und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dementiert. Die Quelle dieser Falschmeldung, Nova Resistência, steht zudem in Verbindung mit der russischen Desinformationskampagne Storm-1516.

Storm-1516 ist bekannt dafür, seit Jahren Desinformationen über die Ukraine und deren Unterstützer zu verbreiten. Recherchen von Correctiv zeigen, dass diese Kampagne auch hinter mehreren Fakes im Bundestagswahlkampf 2025 steckt. So wurden zwischen Mai 2025 und Januar 2026 insgesamt elf weitere Falschmeldungen identifiziert, die sich gezielt gegen Deutschland und insbesondere gegen Kanzler Merz richten. Die Verbreitung der Desinformation erfolgt häufig über gefälschte Websites, die den Anschein etablierter Medienmarken erwecken. Zu den betroffenen Medien zählen unter anderem die Frankfurter Rundschau, der Stern und Correctiv.

Die Rolle von Influencern und Netzwerken

Ein weiterer Aspekt der Verbreitung dieser Falschinformationen sind Influencer, die Inhalte auf Plattformen wie X teilen. Daniel Gugger, ein Schweizer Influencer, hat Inhalte von Storm-1516 ohne weitere Überprüfung geteilt und behauptet, er habe sie für wahr gehalten. Raphael Machado, der Anführer von Nova Resistência, wird als pro-russischer Netzwerker identifiziert und hat Verbindungen zu Storm-1516. Diese Beziehungen sind nicht zu unterschätzen, da Machado von der französischen Behörde Viginum in Zusammenhang mit Desinformation gebracht wurde.

Die internationale Bewegung „Neuer Widerstand“, zu der Nova Resistência gehört, wurde 2023 vom US State Department als neofaschistisch eingestuft. Aleksandr Dugin, ein umstrittener russischer Philosoph, wird oft mit dieser Bewegung in Verbindung gebracht. Auch die Double-Headed Eagle Society, auch bekannt als Tsargrad Society, ist mit Storm-1516 verbunden und verstärkt die Desinformationskampagne.

Überwachung und Bekämpfung von Desinformation

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat sich zum Ziel gesetzt, gegen die Verbreitung von Falschinformationen vorzugehen, sieht sich jedoch mit Herausforderungen konfrontiert. In Deutschland sind Falschinformationen nicht illegal, solange sie keinen Straftatbestand wie Volksverhetzung darstellen. Die Plattform X hat auf eine Presseanfrage des NDR nicht reagiert, hat jedoch einige Accounts nach einer Anfrage gesperrt. Die Verbreitung dieser Fakes erfolgt hauptsächlich über X, die keine adäquaten Maßnahmen zur Eindämmung der Kampagne ergreift.

Zusätzlich ist zu beobachten, dass Russland in diesem Jahr verstärkt Fälschungen zur Beeinflussung der Bundestagswahlen eingesetzt hat. Eine Doppelgänger-Kampagne, bei der Medienseiten kopiert und mit prorussischen Inhalten gefüllt werden, läuft bereits seit mehreren Jahren. Vor der Europawahl 2024 wurde beispielsweise die Seite „Voice of Europe“ als skandalträchtig identifiziert, da sie EU-feindliche Botschaften von Rechtspopulisten verbreitete. In der Kampagne Storm-1516 wurden über 100 Fake-Seiten erstellt, die russlandfreundliche Narrative und Desinformation verbreiten.

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die Berichterstattung von RT DE, einem russischen Auslandssender, der trotz EU-Sanktionen weiterhin aktiv ist, hat sich ebenfalls stark auf die politische Landschaft in Deutschland ausgewirkt. RT DE hat ein Netzwerk von Alternativmedien, Influencern und Politikern aufgebaut und unterstützt gezielt bestimmte politische Akteure wie die AfD-Kandidatin Alice Weidel. Eine Umfrage von Januar 2025 zeigt, dass russische Narrative bei einem Teil der Bevölkerung Anklang finden, insbesondere bei jüngeren Befragten, die auf Plattformen wie TikTok und X besonders empfänglich für solche Botschaften sind.

In Anbetracht dieser Entwicklungen ist es offensichtlich, dass die Verbreitung von Desinformation und die Wirkung russischer Propaganda in Deutschland ein ernstzunehmendes Problem darstellen. Die Gesellschaft muss sich aktiv mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen, um die Integrität der demokratischen Prozesse zu wahren. Mehr Informationen zu den Mechanismen der russischen Propaganda finden Sie in der umfassenden Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung.