In Deutschland hat die pharmazeutische Forschung eine lange Tradition und galt lange Zeit als Vorreiter in der Entwicklung innovativer Medikamente. Doch in den letzten Jahren sind die Bedenken gewachsen, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in diesem Bereich zurückgeht. Der Bundesverband Medizinischer Auftragsinstitute (BVMA), der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnen vor den Herausforderungen, die durch Bürokratie, Fachkräftemangel und zersplitterte Zuständigkeiten entstehen. Während Länder wie Dänemark, Frankreich und Spanien massiv in eine forschungsfreundliche Umgebung investieren, kämpft Deutschland, um den Anschluss nicht zu verlieren. Eine Unternehmensberatung, Vintura, hat daher ein „Studienstandort-Barometer“ ins Leben gerufen, das regelmäßig die Situation in Deutschland bewertet. Im Juli 2025 wurde die Lage mit +9 Punkten als „leicht positiv“ eingeschätzt, doch das aktuelle Barometer zeigt eine erfreuliche Verbesserung auf +31 Punkte, was auf eine steigende Erwartung an mehr Arzneimittelstudien hinweist (Quelle 1).
Eine zentrale Rolle in der Verbesserung der Studiensituation spielt das Medizinforschungsgesetz (MFG), das am 30. Oktober 2024 in Kraft trat. Dieses Gesetz hat das Ziel, die Attraktivität Deutschlands als Standort für innovative medizinische Forschung zu erhöhen. Es soll den rechtlichen Rahmen für klinische Prüfungen verbessern und bürokratische Prozesse sowie Genehmigungsverfahren vereinfachen. Zudem wird der Zugang zu Forschungsdaten erleichtert. Deutschland bleibt führend in der Arzneimittelforschung und -entwicklung und belegt nach Spanien den zweiten Platz bei den meisten multizentrischen klinischen Prüfungen in Europa (Quelle 2).
Maßnahmen zur Stärkung der Forschung
Das MFG fördert die Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstituten, Unternehmen und Behörden und stellt sicher, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zentrale Rollen im neuen rechtlichen Rahmen übernehmen. Diese Institute bieten umfassende Beratung für Antragssteller an und zielen darauf ab, die regulatorischen Verfahren zu beschleunigen. Zu den Maßnahmen gehören die Einrichtung einer spezialisierten Ethik-Kommission beim BfArM für komplexe Verfahren und die Integration strahlenschutzrechtlicher Genehmigungsverfahren in die klinischen Prüfungen (Quelle 3).
Ein zentrales Anliegen der Befragten ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Laut den Erhebungen suchen 53% der 169 befragten Studienzentren Personal, und 68% erwarten einen steigenden Bedarf. Gleichzeitig wird die Qualität digitaler Systeme von 85% der Befragten als mittelmäßig oder niedrig bewertet. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, wurden Empfehlungen ausgesprochen, wie etwa den Abbau von Bürokratie, die Erhöhung der Sichtbarkeit von Studien in der Bevölkerung und die Verbesserung der Forschungsförderung. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit eines zentralen, barrierefreien Studienregisters für klinische Prüfungen in Deutschland, um die Transparenz und Effizienz zu erhöhen (Quelle 1).
Ausblick auf die Zukunft
Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) nach dem Opt-out-Prinzip und dem Aufbau nationaler sowie europäischer Gesundheitsdatenräume wird ein weiterer wichtiger Schritt zur Verbesserung der Forschungslandschaft in Deutschland eingeleitet. Die nächsten Schritte werden durch das geplante Update des Studienstandort-Barometers im Sommer 2026 weiter skizziert. Die Hoffnungen sind hoch, dass diese Reformen und Initiativen dazu beitragen, Deutschland als attraktiven Standort für klinische Studien zu etablieren und die Innovationskraft in der Pharmabranche zu fördern (Quelle 2, Quelle 3).