In den letzten Monaten hat sich die Diskussion um die Sicherheit und Stabilität des Gesundheitssystems in Deutschland intensiviert. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür ist der Anschlag auf das Stromnetz in Berlin am 3. Januar, der zu einem massiven Stromausfall für 45.000 Haushalte und 2.000 Betriebe führte. Dies war der längste Stromausfall in der Hauptstadt seit 1945 und die Reparaturarbeiten zogen sich über mehrere Tage hin. Solche Vorfälle werfen ein grelles Licht auf die Verletzlichkeit der Infrastruktur, die für die Arzneimittelversorgung unabdingbar ist (Pharma Fakten).

Die Abhängigkeit von ausländischer Produktion von Arzneimitteln wurde während der Covid-19-Pandemie deutlich. Über 80% der Arzneimittelversorgung in Deutschland sind generisch und werden überwiegend nicht im Land produziert. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass nur 20% der Fabriken für Antibiotika-Wirkstoffe in Europa ansässig sind, während die Wirkstoffproduktion zu über zwei Dritteln in Indien, China und Bangladesch stattfindet. Dies stellt ein erhebliches Risiko dar, insbesondere wenn man bedenkt, dass im Falle eines Ausfalls wie im Sandoz-Werk in Kundl, Tirol, Europa vor einem massiven Problem steht. Sicherheitsfachleute warnen bereits vor diesem Standort als Single-Point-of-Failure-Risiko.

Maßnahmen zur Krisenbewältigung

Um die Probleme in der Arzneimittelversorgung zu adressieren, fordert der Geschäftsführer des BPI, Sebastian Schütze, umfassende Maßnahmen zur Sicherstellung der Arzneimittelverfügbarkeit. Der BPI hat einen Zehn-Punkte-Plan zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung entwickelt. Zu den zentralen Punkten gehören die Schaffung wettbewerbsfähiger Produktionsbedingungen und die Anerkennung der Pharmaindustrie als kritische Infrastruktur. Dies soll auch dazu beitragen, die Innovationsfähigkeit zu erhalten und auszubauen sowie resilientere Lieferketten durch Diversifizierung zu schaffen (Pharma Fakten).

Im September 2023 kam es in Berlin erneut zu einem fast dreitägigen Stromausfall, der die Notwendigkeit eines durchdachten Krisenmanagements im Gesundheitswesen unterstrich. Die ABDA hat daraufhin ihre „Handlungsempfehlung zur Vorbereitung auf einen Stromausfall in der Apotheke“ überarbeitet. Diese neue Auflage enthält verschiedene Schutzstufen und Betriebsmodi und zielt darauf ab, die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung im Falle eines Stromausfalls zu sichern. In diesem Zusammenhang wird empfohlen, präventiv Abläufe im Apothekenteam festzulegen und zu besprechen (ABDA).

Krisenresilienz und europäische Zusammenarbeit

Die Arzneimittelversorgung in Krisenzeiten ist inzwischen ein zentrales Thema in Politik, Medien und Gesellschaft. Im Herbst 2025 wurden in Deutschland mehr als 550 Arzneimittel als knapp gemeldet. Besonders betroffen waren Psychopharmaka und Antibiotika, was die Dringlichkeit eines Gesundheitssicherstellungsgesetzes unterstreicht. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte im Februar 2026 an, einen Entwurf für ein solches Gesetz vorzulegen, um die Versorgung im Verteidigungs- oder Krisenfall abzusichern. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Abhängigkeiten von Drittstaaten bei der Wirkstoffproduktion zu reduzieren und die Resilienz der Lieferketten zu stärken (Pharma Deutschland).

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Die Notwendigkeit für klare Strukturen, kurze Entscheidungswege sowie die Ausbildung von Fachpersonal wird betont. Pharma Deutschland fordert eine umfassende Bestandsaufnahme und Überarbeitung des nationalen Krisenrechts. Auch die europäische Zusammenarbeit wird als essenziell angesehen, um kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und die Koordination zwischen den Mitgliedstaaten zu verbessern. Ein Best-Practice-Modell aus der Schweiz wird dabei als Beispiel für etablierte Strukturen angeführt.

Insgesamt ist die Situation eine eindringliche Erinnerung an die Fragilität unserer Gesundheitsversorgung und die Notwendigkeit, diese resilienter und weniger abhängig von externen Faktoren zu gestalten. Die Entwicklungen der nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, Deutschland als führenden Biotechnologiestandort zu etablieren und die Arzneimittelversorgung krisensicher zu gestalten.