In Thüringen hat sich das Programm „Seniorpartner in School“ (SiS) als wirksames Modell zur Gewaltprävention und Konfliktbewältigung an Schulen etabliert. Die Initiative, die vor mehr als zwölf Jahren vom engagierten Bernd Himmerlich mitgegründet wurde, unterstützt Kinder und Jugendliche beim gewaltfreien Lösen von Konflikten. Himmerlich, der zuvor im Leistungssport aktiv war, blickt stolz auf den Erfolg des Projektes zurück, das sich über Gera hinaus in Ost-, Nord- und Mittelthüringen ausgebreitet hat.
Der Thüringer Landesverband von SiS hat seit seiner Gründung zahlreiche Senioren mobilisiert. Die meisten Seniorpartner sind über 65 Jahre alt und fungieren als wertvolle Ansprechpartner an den Schulen. „Ich sehe meine Auszeichnung als Ehrenvorsitzender als Anerkennung für die rund 55 engagierten Seniorinnen und Senioren, die sich unermüdlich für die Kinder einsetzen“, sagt Himmerlich. Besonders bemerkenswert ist das Vorzeigeprojekt an der Geraer Ostschule, wo Seniorpartner seit April 2013 aktiv sind und einmal pro Woche in der Schule zur Mediation erscheinen.
Konflikte konstruktiv lösen
Die Seniorpartner fördern nicht nur gewaltfreie Konfliktlösungen, sondern bieten auch Unterstützung in einem geschützten Raum. Über 20 Schulen in Thüringen haben mittlerweile das Vorbild der Geraer Ostschule übernommen. Himmerlich sucht kontinuierlich nach neuen Partnern und führt Gespräche mit Schulen und Schulämtern, um das Netzwerk weiter auszubauen. Neue Schulen benötigen ein Team von geschulten Senioren als Mediatoren, um den Betreuungsbedarf zu decken, der durch Inklusion und eine steigende Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund entstanden ist.
Die Aufgaben der Seniorpartner sind vielschichtiger geworden, insbesondere durch den Einfluss sozialer Medien, Gewaltkriminalität und Drogenkonsum. Sie sind nicht nur für die Mediation verantwortlich, sondern müssen auch Anzeichen von Gefährdungen des Kindeswohls erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Schulungen und Supervision sind für die Unterstützung der Seniorpartner unerlässlich, um ihre Aufgaben effektiv wahrnehmen zu können.
Ausbildung und Entwicklung der Mediatoren
Das bundesweit tätige Programm seniormediate auch in städtischen Gebieten wie München, wo etwa 90 Mediatoren an über 30 Grundschulen aktiv sind. Die Seniorpartner durchlaufen eine intensive 80-stündige Ausbildung, die in vier Modulen à drei Tage gegliedert ist. Diese Ausbildung fördert nicht nur ihre fachlichen Fähigkeiten, sondern auch die persönliche Entwicklung. Sie lernen, ihre eigenen Konfliktverhaltensweisen zu reflektieren und einen empathischen Umgang mit den Kindern zu entwickeln.
Die Mediationsgespräche, die etwa 45 Minuten dauern, ermöglichen es den Kindern, selbstständig zu Lösungen zu gelangen, die für alle Beteiligten akzeptabel sind. Das Programm stellt sicher, dass die Mediatoren während der Gespräche nicht einseitig tätig werden. Stattdessen fördern sie eine Kultur des Zuhörens und des respektvollen Austauschs.
Positiver Einfluss auf die Schulkultur
Durch die Arbeit der Seniorpartner wird nicht nur das Lernklima an den Schulen verbessert, sondern auch die persönliche Entwicklung der Schüler gefördert. Das Programm leistet einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention und zur Demokratiefähigkeit junger Menschen. Es ergänzt das schulische Angebot und entlastet Lehrerinnen und Lehrer. Wie Tatendrang berichtet, haben die Mediatoren eine entscheidende Rolle dabei, ein positives Lernumfeld zu schaffen und die Streitkultur an Schulen zu fördern.
Indem sie auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen und ihnen helfen, Konflikte eigenständig zu lösen, tragen die Seniorpartner eindrucksvoll zu einem respektvollen Miteinander bei. Das Programm wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem PHINEO „Wirkt-Siegel“, das die positive Wirkung ihrer Initiative für die Gesellschaft bestätigt.
Durch die regelmäßige Dokumentation der Mediationen und den Austausch mit Lehrkräften und Schulsozialarbeitern sichern die Seniorpartner die Qualität ihres Angebots. Hierbei werden Erfahrungen und Bedarfe durch einen Qualitätsbeauftragten an den Bundesverband weitergegeben. Die nächste Wirkungsmessung unter den Schülern steht in naher Zukunft an, um den Fortschritt weiterhin zu evaluieren.