In Deutschland ist die Schwarzarbeit auf dem Vormarsch. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die Geschichte von Sabine, die illegal in der Gastronomie arbeitet, um finanziell über die Runden zu kommen. Sie ist arbeitslos gemeldet und erhält lediglich etwa 600 Euro Bürgergeld. In einer kleinen Wohnung in einer größeren deutschen Stadt lebt sie allein und hat Schulden von mehreren tausend Euro. Nach Abzug ihrer Fixkosten bleiben ihr nur etwa 300 Euro für Essen, Kleidung und Ratenzahlungen. Trotz der schwierigen Umstände plant Sabine, das Fachabitur nachzuholen und später Sozialarbeit zu studieren. Ihre Arbeit in der Gastronomie bringt ihr rund 2.000 Euro im Monat ein, jedoch ist sie extrem stressig, körperlich anstrengend und chaotisch. Zudem leidet sie unter Depressionen, was ihre Situation zusätzlich erschwert. Laut einer Untersuchung arbeiten jährlich mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland schwarz, insbesondere in Branchen wie Bau, Gastronomie, Taxigewerbe und Privathaushalten, wo etwa 90 Prozent der Haushaltshilfen nicht angemeldet sind. Die Unverletzlichkeit der Wohnung erschwert Kontrollen, und das Risiko, für Schwarzarbeit bestraft zu werden, ist gering. Gründe für diese Entwicklung sind Existenz- und Kostendruck sowie die hohen Sozialabgaben. Schwarzarbeit wird als Teil der Schattenwirtschaft geschätzt, deren Wert bei rund 538 Milliarden Euro liegt. Der Staat entgeht durch diese Praktiken hohe Steuereinnahmen, die auf etwa 40 Milliarden Euro geschätzt werden. Um diesem Problem entgegenzuwirken, plant die Bundesregierung, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll zu stärken und die Kontrollen zu verbessern. Sabine ist sich der Illegalität ihrer Arbeit bewusst, sieht aber keine andere Möglichkeit, um zu überleben (Quelle).

Ursachen und Entwicklungen der Schwarzarbeit

Die deutsche Volkswirtschaft ist seit Jahren im Schrumpfkurs, und für 2025 wird ein Mini-Plus in der Wirtschaftsleistung prognostiziert. Der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland stieg 2024 auf rund 482 Milliarden Euro, was höher ist als der Bundeshaushalt von 476,8 Milliarden Euro. Die Prognose für die Schattenwirtschaft 2025 liegt bei 511 Milliarden Euro, was einem Plus von 6,1 Prozent entspricht. Professor Friedrich Schneider, ein emeritierter Wirtschaftsprofessor, der sich seit über 40 Jahren mit der Schattenwirtschaft beschäftigt, erklärt, dass die Schattenwirtschaft legale Tätigkeiten umfasst, die ohne Steuer- und Sozialabgaben erbracht werden. Deutschland hat einen Schattenwirtschaftsanteil von 11-12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), im Vergleich zu 30 Prozent in Rumänien und 22 Prozent in Griechenland.

Ein Anstieg der Schattenwirtschaft wird häufig mit sinkender Steuermoral und unzufriedenstellendem staatlichen Service in Verbindung gebracht. Hohe Steuerlast und unzureichende staatliche Leistungen sind wesentliche Faktoren, die Schwarzarbeit begünstigen. Diese wird oft als „Steuerrebellion des kleinen Mannes“ bezeichnet. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und steigende Arbeitslosigkeit tragen ebenfalls zu diesem Phänomen bei. Kritiker des Bürgergeldes argumentieren, dass die hohen Sozialleistungen potenziell Schwarzarbeit begünstigen könnten. Für 2025 sind Ausgaben für das Bürgergeld von knapp 52 Milliarden Euro eingeplant, und es wird diskutiert, wie ein „privates Kombilohn-Modell“ aus regulärem Einkommen, Schwarzarbeit und Bürgergeld aussehen könnte (Quelle).

Schwarzarbeit im Kontext der aktuellen Politik

Die Schwarzarbeit in Deutschland wächst weiter. Für 2024 wird ein Anstieg um 55 Milliarden Euro auf 498 Milliarden Euro prognostiziert, und der Anteil der Schwarzarbeit am BIP soll auf 12,3 Prozent steigen. Während Schwarzarbeit den größten Teil der Schattenwirtschaft ausmacht, sind illegale Tätigkeiten wie organisierte Kriminalität nur ein kleiner Teil. Im Jahr 2023 ermittelte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls einen Schaden von rund 614,6 Millionen Euro durch Schwarzarbeit. Im September 2023 führte der Zoll eine Razzia in der Pflegebranche durch, um Beweise für Sozialversicherungsbetrug und illegale Beschäftigung zu finden. Ermittlungen richteten sich gegen vier Personen, die Pflegekräfte aus Rumänien angeworben hatten, ohne reguläre Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Der geschätzte Schaden für das Sozialsystem beläuft sich auf mindestens 2,2 Millionen Euro. Ein Münchner Unternehmer wurde im Juni 2023 in Untersuchungshaft genommen wegen mutmaßlicher Schwarzarbeit im Bauwesen, mit einem geschätzten Gesamtschaden von 4 bis 6 Millionen Euro. Professor Schneider schätzt, dass es in Deutschland 12 bis 15 Millionen Schwarzarbeiter gibt, darunter 400.000 bis 500.000 Bürgergeld-Bezieher. Zudem könnte die Erhöhung der Regelsätze des Bürgergelds um 12 Prozent ab Januar 2024 die Anzahl der Haushalte erhöhen, die Bürgergeld erhalten. In der Gastronomie könnte die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent einen Anstieg der Schwarzarbeit um 1,9 Milliarden Euro zur Folge haben. Die Änderungen bei Steuern und Sozialabgaben im Jahr 2024 werden als zu gering eingeschätzt, um signifikante Auswirkungen auf die Schattenwirtschaft zu haben. Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte an, die Schwarzarbeit stärker zu bekämpfen, insbesondere bei Bürgergeld-Beziehern (Quelle).