Der Großhandelsmarkt Selgros in Gera wird zum Ende Oktober schließen, was der Region deutlich zusetzen könnte. Rund 90 Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungen erhalten, nachdem seit einer Woche Gerüchte über die Schließung kursierten. Die Unternehmensleitung von Transgourmet, der Muttergesellschaft von Selgros, hat bislang nicht auf Anfragen von MDR reagiert, bestätigte jedoch gegenüber der „Ostthüringer Zeitung“, dass wirtschaftliche Gründe hinter der Entscheidung stehen. Der Markt in Gera sei nicht mehr rentabel, da hohe Miet- und Betriebskosten auf dem 11.000 Quadratmeter großen Gelände zu schaffen machen.

Selgros ist seit 1995 in Gera ansässig und stellt damit einen wichtigen Teil der lokalen Einkaufslandschaft dar. Die Schließung wird voraussichtlich nicht nur die Mitarbeiter betreffen, sondern auch die zahlreichen Gastrokunden, die in der Region auf die Zulieferungen von Selgros angewiesen sind. Diese Kunden sollen künftig von den Märkten in Zwickau, etwa 40 Kilometer entfernt, und in Erfurt beliefert werden. Während Transgourmet nach sozialverträglichen Lösungen für seine Mitarbeiter sucht, plant ein benachbartes Unternehmen, sich auf dem Selgros-Gelände anzusiedeln.

Kontext zu aktuellen Schließungen

Die Schließung des Selgros-Marktes ist nicht isoliert zu betrachten. Im Jahr 2023 mussten etwa 37.000 Einzelhandelsgeschäfte schließen, während der Bereich der verbraucherbezogenen Dienstleistungen ebenfalls betroffen war und rund 51.000 Schließungen verzeichnete. Diese Zahlen zeigen eine signifikante Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Einzelhandel im Vergleich zu 2018. Laut Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, hinterlassen verlassene Geschäfte und leere Schaufenster sowohl wirtschaftliche als auch emotionale Spuren in den betroffenen Gegenden.

Die aktuelle wirtschaftliche Flaute in der Gastronomie hat auch direkte Auswirkungen auf Unternehmen wie Selgros. Denn kürzlich hatte Selgros noch angekündigt, ihre Märkte temporär für Privatkunden zu öffnen, um den Umsatz zu steigern. Diese Entscheidung wurde jedoch nach kritischen Rückmeldungen von Wettbewerbern und Branchenkennern wieder zurückgezogen. Kritiker dieser Maßnahme wiesen auf die möglichen steuerlichen Probleme hin, die sich aus dem fehlenden Kontrollen und Dokumentationen ergeben könnten.

Die Schließung des Selgros-Marktes in Gera zeigt, wie eng Unternehmen wie Transgourmet in einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage gefangen sind, und verweist auf eine wachsende Unsicherheit im Einzelhandel. Wenn selbst etablierte Großmärkte schließen, bleibt die Frage, wie die wirtschaftliche Stabiliät in der Region aufrechterhalten werden kann.

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