Mitteldeutschland hat sich seit dem frühen 20. Jahrhundert als Zentrum des Braunkohlebergbaus und der chemischen Industrie etabliert. Die Region gilt als Vorreiter in der Raumplanung, ähnlich wie das Ruhrgebiet. Professor Harald Kegler von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hebt die bedeutende Rolle Mitteldeutschlands in der modernen Landesplanung hervor. Dieser dynamische wirtschaftliche Aufstieg wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch die Kohleförderung und den damit verbundenen steigenden Anforderungen an Planungsprozesse geprägt. Am 2. April 1925 wurde in Halle der „Landesplanungsverband für den engeren mitteldeutschen Industriebezirk“ ins Leben gerufen, an dem Vertreter aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Kommunen teilnahmen. Dieser Schritt bildete die Grundlage für die Zukunftsplanung der Region.
Bereits zwei Jahre später stellte der Planungstheoretiker Gustav Langen in Leipzig den Begriff der Raumordnung vor, was die Diskussion über die „industriell geprägte Kulturlandschaft“ in Thüringen umfassend prägte. Der „Plan 23“, auch als Planungsatlas Mitteldeutschland bekannt, wurde 1932 veröffentlicht und umfasste Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Plan sah eine behutsame Erweiterung bestehender Orte vor und strebte eine kleinteilige Verteilung der Industrie an. Das Verkehrskonzept basierte auf der Schiene, während Autobahnen eine untergeordnete Rolle spielten.
Die Herausforderungen des Braunkohleabbaus
In der DDR wurde der Braunkohleabbau stark vorangetrieben, um die Energieautarkie zu sichern. Nach der Ölkrise 1973 intensivierte die Regierung die Erschließung neuer Abbaufelder. Diese radikale Auskohlungspolitik führte zur Zerstörung eines Drittels des Bezirkes Cottbus. Die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler Familien von der Braunkohleindustrie schuf ein Dilemma zwischen Heimat und Arbeit. Bis zu 39 Tagebaue in der DDR sorgten für Höchstfördermengen von über 300 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr, was die DDR zum weltweit führenden Produzenten machte.
Mit der Wiedervereinigung kam es jedoch zu einem dramatischen Rückgang der Beschäftigten in der Braunkohleindustrie – von 700.000 Ende der 1980er Jahre auf nur 100.000 Anfang der 2000er Jahre. Der Rückgang führte zur Schließung von 31 Tagebauen zwischen 1989 und 1999. Heute wird in Deutschland etwa die Hälfte der Braunkohlemenge des damaligen Höchststandes abgebaut, wobei das Land nach wie vor zu den größten Braunkohleproduzenten gehört.
Der Ausblick auf den Kohleausstieg
Im Juli 2020 verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das den Kohleausstieg bis 2038 regelt, wobei der erste Block in Sachsen bereits 2029 abgeschaltet werden soll. Ein Finanzabkommen zwischen der Bundesregierung und den betroffenen Kohleländern sieht eine Unterstützung von 40 Milliarden Euro in den nächsten 20 Jahren vor. Diese Mittel sind vorgesehen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Industrie. Gleichzeitig stehen die Braunkohleregionen vor einem umfassenden Transformationsprozess, der sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Zukunft birgt.
Eine entscheidende Institution in diesem Transformationsprozess ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), die 1994 gegründet wurde und für die Sanierung der Nachfolgelandschaften des Braunkohleabbaus zuständig ist. Bisher wurden rund 11,43 Milliarden Euro in die Braunkohlesanierung investiert. Zu den bedeutendsten Projekten gehören das „Lausitzer Seenland“ und das „Leipziger Neuseenland“, wobei die Rekultivierung und die Schaffung neuer Naturräume als vorbildlich angesehen wird.
Als Ergebnis dieser Initiativen entstehen neue Kultur- und Naturräume, die das landschaftliche Erbe der ehemaligen Tagebaue neu definieren. Doch die Herausforderungen bleiben. Die Möglichkeiten der Renaturierung sind eng mit der finanziellen Ausstattung der Unternehmen verbunden, die möglicherweise nicht über ausreichende Mittel verfügen, um die Tagebaue nachhaltig zu renaturieren.