Die Jahresbilanz der Mobilen Opferberatung für 2024 zeigt besorgniserregende Entwicklungen im Bereich der queerfeindlichen Gewalt in Sachsen-Anhalt. Mit insgesamt 281 dokumentierten Angriffen, die rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Motive hatten, wurde ein alarmierendes Rekordniveau erreicht. Besonders erschreckend sind die 23 Angriffe, die gezielt gegen queere Menschen gerichtet waren und 28 direkt betroffene Personen verzeichneten. Diese Zahlen, die einen nahezu doppelt so hohen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr dokumentieren, werfen ein Licht auf die immer gefährlicher werdende Situation für Menschen jenseits traditioneller Normen im öffentlichen Raum dubisthalle.de.
Die Sprecherin des LSQpRT Sachsen-Anhalt, Daria Kinga Majewski, äußerte deutliche Kritik an der Zunahme queerfeindlicher Gewalt und stellte klar, dass Notwendigkeit besteht, entschieden gegen diese Übergriffe vorzugehen. Das LSQpRT formulierte eine Reihe von Forderungen, die unter anderem eine unmissverständliche Verurteilung rechter Gewalt durch politische Entscheidungsträger, den Ausbau professioneller Beratungs- und Schutzstrukturen sowie die konsequente Strafverfolgung von Tätern beinhalten. Auch das Engagement der Zivilgesellschaft sei entscheidend, um ein starkes Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen und einen Schutzraum für Betroffene zu schaffen hallespektrum.de.
Gesellschaftliche und politische Verantwortung
Die Bilanz der Mobilen Opferberatung in Sachsen-Anhalt offenbart ein gravierendes Ressourcenproblem. Die Notwendigkeit, die Unterstützung für Opfer queerfeindlicher Gewalt zu gewährleisten, wird von verschiedenen Akteuren immer wieder betont. Marcel Dörrer, ein weiterer Sprecher des LSQpRT, drängt darauf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um zukünftige Angriffe zu verhindern und den Opfern zu helfen. Sein Appell zum Handeln unterstreicht die Dringlichkeit dieser Situation, die nicht nur auf regionaler Ebene, sondern auch bundesweit Beachtung finden sollte.
Die Situation wird durch die bundesweiten Statistiken zur Hasskriminalität zusätzlich verkompliziert. Laut dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) wurden im Jahr 2023 insgesamt 1.785 Straftaten gegen LSBTIQ*-Personen registriert, was einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu den 1.188 Straftaten im Vorjahr darstellt. Diese Gewalt manifestiert sich nicht nur in physischen Übergriffen, sondern auch in Beleidigungen, Bedrohungen und weiteren Formen der Diskriminierung.
Herausforderungen und notwendige Maßnahmen
Die Dunkelziffer nicht angezeigter Fälle von Hasskriminalität wird auf 80 bis 90 Prozent geschätzt, was verdeutlicht, wie groß die Hemmschwelle für Betroffene ist, Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Viele von ihnen befürchten Diskriminierung oder haben Misstrauen gegenüber der Polizei, was die aktive Bekämpfung solcher Straftaten zusätzlich erschwert. Die Täter sind häufig männlich und oft bereits polizeilich bekannt, was die Herausforderungen für die Strafverfolgung noch verstärkt lsvd.de.
Insgesamt zeigt die Lage in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus, dass umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung von queerfeindlicher und anderer Hasskriminalität notwendig sind. Dazu zählen nicht nur bessere Schulungen der Polizei, sondern auch eine sensibilisierte Öffentlichkeit und ausgebaute Beratungsangebote für Betroffene. Die Zeit zum Handeln ist jetzt – für den Schutz aller Bürger und zur Verteidigung der demokratischen Werte, die unsere Gesellschaft ausmachen.