Leipzig feiert ab Freitag, den 31. Januar 2025, sich selbst als Buchstadt unter dem Motto „Mehr als eine Geschichte“. Dieses Ereignis ist Teil eines umfassenden Themenjahres, das an die Gründung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vor 200 Jahren erinnert, wie MDR berichtet. Rund 40 Projekte und Veranstaltungen sind im Rahmen dieses Jubiläums geplant, die den Fokus auf die Zukunft des Buches sowie die Buchbranche selbst legen.
Das Ziel der Feierlichkeiten ist es, die Tradition der Buchstadt Leipzig sichtbar zu machen. Es wird besonders Wert auf die Vernetzung von Buchakteuren gelegt, während gleichzeitig Raum für junge Perspektiven geschaffen wird. Ein Element dieser Feierlichkeiten ist die Eröffnung der Ausstellung „Vielseitig. Geschichten aus der Buchstadt Leipzig“ im Stadtarchiv. Diese Ausstellung wurde von Studierenden der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) konzipiert und bietet in einer 360-Grad-Installation einen einzigartigen Zugang zu Themen wie die Blüte- und Krisenzeiten der Buchstadt sowie dem Kampf um das freie Wort und die Rolle mutiger Frauen in der Literatur.
Highlights des Themenjahres
- Am 4. April findet die „Nacht der Bibliotheken“ mit einem speziellen Angebot für fremdsprachige Nutzer statt.
- Es besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Mitmach- und Tauschaktion, die die „Bibliothek der Sprachen“ fördern soll.
- Eine Diskussionsrunde des Börsenvereins zur Rolle der Literaturbranche in der Gesellschaft ist für den 30. April angesetzt.
- Die Lesereihe „Weibliche Stimmen aus der Buchstadt Leipzig“ wird vom Verlag Palomaa Publishing präsentiert.
- Das Festival „Festlesen“ für Kinder findet am 23. und 24. Mai statt, organisiert vom Jungen Literaturbüro.
- Zusätzlich sind BookWalkTalks geplant, bei denen geführte Rundgänge mit Lesungen an versteckten Orten stattfinden und Maßnahmen in Schulen angeboten werden.
Leipzig hatte von Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine herausragende Stellung als deutsche Buch-Hauptstadt. Die historischen Wurzeln dieser bedeutenden Rolle gehen bis zur Reformation und dem kaiserlichen Messe-Privileg zurück. Bedeutende Verlage wie Breitkopf, Brockhaus, Reclam, Seemann, Baedeker und Insel trugen zur Etablierung Leipzigs als internationales Zentrum für die Buchproduktion bei.
Der Börsenverein und seine Geschichte
Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig wurde am 30. April 1825 gegründet und zählt seither zu den zentralen Institutionen des Buchhandels in Deutschland. Die Mandate des Vereins umfassten zunächst die Vereinfachung des Abrechnungswesens auf Buchmessen, bevor der Börsenverein sich später auch für die Abschaffung der Zensur und die Regelung des Urheberrechts starkmachte. Historisch gesehen nahm der Verein in den letzten zweihundert Jahren verschiedene Entwicklungen durch und war maßgeblich an der Einführung der Buchpreisbindung beteiligt, die 1887 in Kraft trat. Diese Regelung hatte weitreichende Folgen für den deutschen Buchhandel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Börsenverein 1946 wieder seine Tätigkeit in Leipzig auf und setzte die lange Tradition fort, in der DDR jedoch ohne den Anspruch auf Repräsentation für das gesamte Buchwesen. Im Jahr 1991 schloss sich der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main an, wobei ein Büro in Leipzig erhalten blieb. Der Erhalt von Aktenbeständen und historischen Sammlungen ist von großer Bedeutung, da Teile davon im Sächsischen Staatsarchiv zu finden sind.
Die Leipziger Buchmesse, die zusammen mit der Frankfurter Buchmesse zu den bedeutendsten Veranstaltungen der deutschsprachigen Literaturszene zählt, bietet auch während dieser Feierlichkeiten zahlreiche Möglichkeiten, sich mit der Vielfalt der Buchbranche vertraut zu machen. Sie ist ein Ort, an dem Verlage, Dienstleister und Organisationen aus aller Welt ihre Angebote präsentieren und Leserinnen und Leser in Kontakt mit Autorinnen und Autoren treten können, wie epubli hinweist.