Am Freitagabend, dem 8. März 2025, fand in Halle (Saale) eine Protestdemonstration unter dem Motto „Take back the night“ statt. Diese Veranstaltung richtete sich gezielt gegen die vielfältigen Diskriminierungen, denen FLINTA-Personen – Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, transgeschlechtliche und agender Personen – ausgesetzt sind. Der Anlass dieser Demo war der „Frautag“ oder auch feministischer Kampftag.

Die Demonstration begann am Hallmarkt und führte über mehrere Straßen, darunter die Kleine Ulrichstraße, Geiststraße, Reileck und Ludwig-Wucherer-Straße. Etwa 150 Teilnehmende skandierten verschiedene Slogans, um auf die gesellschaftliche Realität von Gewalt und Diskriminierung aufmerksam zu machen. Auf einem Dach in der Luwu wurden zur Unterstützung Rauchbomben gezündet, und Antifa-Flaggen waren zu sehen. Ihr Ziel war der August-Bebel-Platz, wo die Demonstrierenden mit mutmaßlichen Rechtsextremisten in Konflikt gerieten.

Konfrontation am August-Bebel-Platz

Am August-Bebel-Platz kam es zu einem Angriff, bei dem Flaschen auf die Teilnehmenden geworfen wurden. Die Polizei reagierte prompt und nahm einige der männlichen Angreifer fest. Die Demonstrierenden skandierten unter anderem: „Ob Ost, Ob West, nieder mit der Nazipest“ und „Macker verpisst euch, keiner vermisst euch.“ Solche Slogans spiegeln den Protest gegen patriarchale Strukturen und Gewalt wider.

Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war ein emotionaler Aufruf, der die Wut der Teilnehmenden gegen das Patriarchat kundtat. Rosa, eine Rednerin von der Initiative „Keine Mehr“, thematisierte die ernsthafte Problematik von Femiziden und nannte die erschreckende Zahl von mindestens 17 Femizid-Opfern in Sachsen-Anhalt in den letzten fünf Jahren. Diese Zahl sensibilisierte die Teilnehmenden für die Notwendigkeit einer amtlichen Dokumentation, um die Dunkelziffer von Femiziden sichtbar zu machen.

Kritik an politischen Akteuren

Zusätzlich wurden die politischen Positionen der AfD und der CDU scharf kritisiert, da beide Parteien rückwärtsgewandte Rollenbilder propagieren und andere Geschlechter verleugnen. Diese Kritik wurde angesichts der bedenklichen Zunahme rechter Gewalt in den letzten Jahren vehement vorgetragen. Themen wie das Recht auf Abtreibung und der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen wurden ebenfalls angesprochen. Dabei wurde deutlich, dass die Rechte in diesem Bereich immer stärker eingeschränkt werden.

Parallel zur Veranstaltung in Halle fand eine große Demonstration in Wien statt, die etwa 6.500 Teilnehmer mobilisierte. Diese wurde organisiert von „Take Back the Streets“ und war ebenfalls dem Internationalen feministischen Kampftag gewidmet. Rednerinnen wie Aida Karimi setzten sich gezielt mit der Diskriminierung und der Gewalt gegen Frauen im Iran auseinander und forderten die Schließung der iranischen Botschaft in Österreich.

Den Teilnehmern in Wien standen ähnliche Anliegen wie die Halle-Demonstrantinnen am Herzen. Themen wie die systematische Diskriminierung von Frauen, Femizide, die Rechte von Sexarbeiterinnen und -arbeitern sowie reproductive Rechte sprachen die Rednerinnen eindringlich an. Bekannte Slogans wie „Frau, Leben, Freiheit“ und „Hoch die internationale Solidarität“ hallten über den Yppenplatz und den Sigmund-Freud-Park.

Diese unterschiedlichen Demonstrationen in Halle und Wien zeigen eindrücklich, wie international der Kampf für die Rechte von FLINTA-Personen ist und wie wichtig es ist, die Stimmen gegen Diskriminierung und Gewalt zu erheben. Angesichts der laufenden politischen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die anstehenden Bundestagswahlen im Jahr 2025, werden solche Mobilisierungen sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern weiterhin von Bedeutung sein.