Intervallfasten hat in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt. Besonders in sozialen Medien wird das Konzept des intermittierenden Fastens als neue Wunderwaffe gegen Übergewicht und Adipositas gefeiert. Doch die Begeisterung könnte übertrieben sein. Eine umfassende Untersuchung des Cochrane-Instituts, die am 16.02.2026 im Deutschlandfunk vorgestellt wurde, zeigt, dass die Wirksamkeit von Intervallfasten zur Gewichtsabnahme mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Laut Jörg Meerpohl, Direktor von Cochrane Deutschland, handelt es sich hierbei eher um Hinweise als um definitive Beweise.
Die Analyse umfasste 22 Studien mit knapp 2.000 Teilnehmern aus verschiedenen Regionen, darunter Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika. Ziel war es, zu klären, ob Intervallfasten für Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas wirksamer ist als herkömmliche Diätempfehlungen. Das Ergebnis war ernüchternd: Intervallfasten zeigte keinen signifikant besseren oder nur einen sehr geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme im Vergleich zu anderen Methoden. Zudem konnte keine merkliche Verbesserung der Lebensqualität durch Intervallfasten nachgewiesen werden.
Die Studienlage und ihre Implikationen
Die WHO berichtete, dass im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen übergewichtig waren, was 43% der Menschen ab 18 Jahren entspricht. Von diesen waren 890 Millionen adipös, also 16% aller Erwachsenen. In Anbetracht dieser Zahlen bleibt ein Gewichtsverlust die zentrale Strategie zur Reduzierung gesundheitlicher Risiken und gesellschaftlicher Folgen von Übergewicht und Adipositas. Eva Madrid, Mitautorin der Studie, betont, dass eine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme aufgrund der aktuellen Studienlage schwierig ist.
Die neue Studie wirft auch Fragen auf, die weit über die bloße Gewichtsreduktion hinausgehen. Berücksichtigt wurden nicht nur die Gewichtsverluste, sondern auch die Auswirkungen auf Lebensqualität, Diabetesstatus, Blutfettwerte und mögliche Nebenwirkungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Intervallfasten wahrscheinlich nicht effektiver ist als andere Diäten oder gar keine Diät beim Abnehmen. Zudem traten im Vergleich zu anderen Diäten keine signifikant unterschiedlichen Nebenwirkungen auf.
Expertenmeinungen und weitere Perspektiven
Kritik an der Studie kommt von verschiedenen Experten. So äußert Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung Skepsis gegenüber der Vergleichbarkeit der Studien, da unterschiedliche Varianten des Intervallfastens nicht klar beschrieben wurden. Auch Leonie Heilbronn von der Universität Adelaide weist auf methodische Schwächen hin und kritisiert die Vermischung unterschiedlicher Formen des intermittierenden Fastens. Beide Expertinnen warnen davor, zu pauschale Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit des Intervallfastens zu ziehen.
Jörg Meerpohl von Cochrane verteidigt die Methoden der Studie und hebt hervor, dass die Qualität der einbezogenen Studien sorgfältig geprüft wurde. Intervallfasten wird zwar als Möglichkeit zum Abnehmen betrachtet, aber nicht als Wundermittel. Die Debatte über die Wirksamkeit des Intervallfastens ist noch nicht abgeschlossen, und es sind weitere Studien notwendig, um die Langzeitwirkungen und die Effektivität dieser Methode zu klären.
In einer Welt, in der Übergewicht und Adipositas zunehmend zu einem Gesundheitsproblem werden, bleibt die Suche nach effektiven Methoden zur Gewichtsreduktion eine Herausforderung. Das Intervallfasten könnte eine Option sein, doch die aktuellen Erkenntnisse legen nahe, dass es nicht die einzige Lösung ist. Umso wichtiger ist es, auf fundierte wissenschaftliche Ergebnisse zu setzen und sich nicht von Trends verleiten zu lassen.