In Deutschland sind die industriellen Kernbranchen unter Druck. Die Innovationskraft in diesen Bereichen lässt weiter nach, während wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft zunehmend die Rolle der technologischen Vorreiter übernehmen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung, die deutlich macht, dass grundlegende Neuerungen seltener werden. Stattdessen setzen Unternehmen vermehrt auf schrittweise Produkt- und Prozessverbesserungen. Digitale Schlüsseltechnologien, insbesondere Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen, gewinnen zwar an Bedeutung, doch komplexe Anwendungen bleiben vielen Unternehmen verwehrt. So nutzen bereits 70 Prozent der befragten Unternehmen KI-Technologien, aber nur ein Viertel von ihnen setzt diese intensiv ein. Die Notwendigkeit, auf diese Technologien zu setzen, wird von einer wachsenden Anzahl an Unternehmen als strategisch wichtig erachtet, da sie zunehmend in Produkte und Geschäftsmodelle integriert werden müssen. Die Herausforderungen sind jedoch groß, insbesondere bei forschungsintensiven Zukunftstechnologien wie CO₂-Abscheidung, die nur begrenzt Anwendung finden. Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft und bei nachhaltigen Materialien sind zwar sichtbar, aber eine breite Anwendung steht noch aus. Unternehmen, die klare Innovationsstrategien verfolgen, erzielen messbare Fortschritte, unabhängig von ihrer Größe (Bertelsmann Stiftung).
Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant weiter und beeinflusst alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Diese Technologien sind hochvernetzt, automatisiert und bringen sicherheitsrelevante Aspekte mit sich, die ethische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Deutschland investiert erheblich in die Grundlagenforschung, mit über drei Prozent des Bruttoinlandprodukts, die 2023 in Forschung und Entwicklung fließen werden. Trotz dieser starken Basis gibt es Schwierigkeiten, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte zu verwandeln, was als das „European Paradox“ bekannt ist. Geringe Risikobereitschaft, ein fragmentierter Markt und langwierige Verfahren behindern diesen Prozess. Eine geplante Förderrichtlinie soll die Lücke zwischen Forschung und marktfähigen Anwendungen schließen, indem sie technologische Machbarkeit und wirtschaftliche Umsetzbarkeit fördert. Diese Richtlinie wird auch ethische, technische und sicherheitsbezogene Standards berücksichtigen (BMDS).
Strategien der Bundesregierung
Die Entwicklung und Beherrschung von Künstlicher Intelligenz ist eine Schlüsselfrage für Deutschland. Die Bundesregierung hat 2018 eine KI-Strategie verabschiedet, um Deutschland und Europa als führenden Standort für KI zu etablieren. Geplante Investitionen von insgesamt etwa 5 Milliarden Euro bis 2025 sollen die Forschung, den Transfer von Technologien sowie den gesellschaftlichen Dialog stärken. Der Fokus liegt auf der Qualifikation und der Datenverfügbarkeit, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Zudem wird Deutschland als „Strong Innovator“ im European Innovation Scoreboard 2025 eingestuft, was die Bedeutung von KI in der deutschen Wirtschaft unterstreicht. In der Industrie wird ein Potenzial zur Steigerung der Bruttowertschöpfung um 32 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren durch KI gesehen, was die Notwendigkeit eines effektiven Technologietransfers und rechtlicher Rahmenbedingungen unterstreicht (Bundeswirtschaftsministerium).
Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Innovationsdruck auf deutsche Unternehmen wächst. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sowohl Politik als auch Unternehmen schnell handeln und die Weichen für eine zukunftsorientierte, innovative Wirtschaft stellen. Der geplante Konsultationsprozess zur Förderrichtlinie bietet eine wertvolle Gelegenheit, um Bedürfnisse und Herausforderungen im Bereich der Innovationen zu identifizieren und den Transfer zwischen Forschung und Markt zu verbessern.