In der russischen Kleinstadt Karabasch zeigt sich das Bild einer besorgniserregenden Bildungslandschaft, in der die Ideologie des Kremls in den Klassenzimmern fest verankert ist. Teenager verfassen Lobgedichte auf Wladimir Putin, während Geschichtslehrer die Ansicht vermitteln, dass die Ukraine am Krieg schuld sei. Kritische Rückfragen sind unerwünscht, und die Atmosphäre in den Schulen ist von einem Klima der Selbstkontrolle geprägt. Lehrkräfte überwachen sich gegenseitig, während Eltern zu Denunzianten werden. Die Zustände in Karabasch werden als trostlos beschrieben und werfen ein Schlaglicht auf die systematische Indoktrination, die hier stattfindet. Der junge Pädagoge Pawel Talankin hat sogar einen Film mit dem Titel „Ein Nobody gegen Putin“ gedreht, der die passiven Reaktionen der Schülerinnen dokumentiert, die statt zu diskutieren, einfach marschieren.

Diese Entwicklung ist nicht isoliert zu betrachten. Wladimir Putin nutzt Geschichte als ein Kampfinstrument, um seine politischen Ziele zu legitimieren. Er verfälscht historische Narrative, um den Überfall auf die Ukraine zu rechtfertigen. Insbesondere propagiert er die Idee, dass die Ukraine historisch zu Russland gehört und kein souveräner Staat ist. Diese Erzählung greift auf die Kiewer Rus zurück, ein slawisches Reich im Hochmittelalter, aus dem Russland, die Ukraine und Belarus hervorgegangen sind. Solche Darstellungen sind Teil von Putins Streben nach Größe, Macht und Weltgeltung, wobei er sich an den Modellen der Sowjetunion und des Zarenreichs orientiert.

Die Rolle der Geschichte in der russischen Bildung

Putin kritisiert Lenin und stellt Stalin jedoch positiver dar. Dies zeigt sich auch in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Praxis, wie etwa der Wiedererrichtung eines Stalin-Reliefs in der Moskauer U-Bahn im Jahr 2025. Der Tag des Sieges, der jährlich mit einer Militärparade gefeiert wird, wird genutzt, um die Invasion in der Ukraine mit dem Kampf gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen.

Die russische Gesellschaft hat eine gespaltene Erinnerungskultur zu Zarismus und Sowjetunion, die unter Putin eine neue Dimension erreicht. Historiker wie Jan Kusber betonen, dass viele Erinnerungen an die Sowjetunion nicht nur negativ sind. In den Schulen wird ein neues Geschichtsbuch für das Schuljahr 2023/2024 eingeführt, das ein einheitliches Geschichtsbild nach Staatsideologie vermitteln soll. Das Geschichtsnarrativ wird so gestaltet, dass der Angriff auf die Ukraine legitimiert wird, während die Sowjetunion als Erfolgsgeschichte dargestellt wird und stalinistische Verbrechen ausgeblendet werden. Der Westen wird für den Zusammenbruch der Sowjetunion verantwortlich gemacht und es werden falsche Narrative über die Ukraine verbreitet, etwa über NATO-Stützpunkte.

Indoktrination in der russischen Bildung

Die Indoktrination in der russischen Bildung ist nicht nur ein Phänomen der Gegenwart, sondern hat tiefe historische Wurzeln. Experten wie Philippe Aghion und seine Kollegen haben in ihrem Artikel über Bildung und militärische Rivalität die Auswirkungen dieser Indoktrination auf die Gesellschaft untersucht. Sie zeigen auf, dass Bildung in Russland zunehmend politisiert wird, was zu einer Form der militärischen Rivalität führt.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zustände in Karabasch nicht nur ein lokales Problem darstellen, sondern ein Teil eines größeren Trends in der russischen Gesellschaft sind. Die Manipulation von Geschichte und die politische Indoktrination in Schulen sind Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die Kontrolle über die Gesellschaft zu festigen und eine einheitliche ideologische Ausrichtung zu gewährleisten. In Anbetracht der aktuellen geopolitischen Entwicklungen bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dies auf die künftige Generation von Russen haben wird.

Für weiterführende Informationen über die Bildungsindoktrination in Russland und deren historische Hintergründe, empfehlen wir die Artikel von Zeit, Deutschlandfunk und die Analyse von bpb.