Catrin Rhode, die Leiterin des Wittenberger Tierheims, spricht von einer besorgniserregenden Lage für die sogenannten „Langzeitsitzer“. Diese Hunde, die oft über ein Jahr im Tierheim leben, haben kaum Chancen, ein neues Zuhause zu finden. Rhode, selbst ausgebildete Tierpflegerin, betont, dass die Initiative zur Adoption von Tieren entscheidend ist, um das Schicksal dieser Tiere zu ändern. Die Hunde sind nicht schuld an ihrer Situation; häufig sind es die Halter, die für die Abgabe verantwortlich sind, weil sie Hunde nach optischen Gesichtspunkten auswählen und oft mit den realen Anforderungen überfordert sind. Thüringische Pflegeeinrichtungen stehen damit vor der Herausforderung, eine geeignete Umgebung zu schaffen, in der diese langzeitverwahrten Tiere ein Teil einer Familie werden können, wie MDR berichtet.
Das Problem der Langzeitsitzer ist kein Einzelfall. In Deutschland gibt es jedes Jahr schätzungsweise 80.000 Hunde, die in Tierheimen abgegeben werden, und insgesamt etwa 300.000 Tiere, die auf ein neues Zuhause warten. Der Trend zeigt, dass nach dem Ende der Corona-Pandemie die Abgaben wieder zunehmen, was die Situation in den Tierheimen zusätzlich verschärft. Der Psychologe Jens Knebel erläutert, dass viele Menschen während der Pandemie Haustiere zur Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit hielten. Mit der Rückkehr zur Normalität sehen sich jedoch viele Halter mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die dazu führen, dass 25 % von ihnen sich überfordert fühlen, was zu einer steigenden Abgabe von Hunden führt, wie hundundhaustier.de bestätigt.
Herausforderungen für Langzeitsitzer
Die Tiere im Wittenberger Tierheim sind oft verängstigt und zeigen manchmal aggressives Verhalten, das als Schutzmechanismus auf ihre bisherigen Erfahrungen zurückzuführen ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Grazer Tierheim Arche Noah, wo derzeit 90 Hunde leben, von denen 20 Langzeitsitzer sind. Die Verantwortlichen dort erklären, dass große, dunkle Hunde oft als einschüchternd wahrgenommen werden, während andere durch Alter oder gesundheitliche Probleme abgeschreckt werden. Hunde wie Brutus, der seit fast zwei Jahren im Tierheim sitzt, haben trotz ihrer freundlichen Art nur geringe Vermittlungschancen, da sie als „Kampfhunde“ gelten und dadurch potenzielle Interessenten abschrecken, wie Kleine Zeitung berichtet.
Hunde mit problematischen Verhaltensweisen, wie übermäßiges Bellen oder territoriale Dominanz, sind besonders schwer zu vermitteln. In vielen Fällen wurden Hunde nach dem Tod ihrer Besitzer abgegeben, was deren Überforderung verstärkt. Die Arche Noah bietet Probewohnen an, um herauszufinden, ob die Hunde in ein neues Zuhause passen. Eine tierschutzqualifizierte Hundetrainerin kann die Eingewöhnungsphase unterstützen, was für eine erfolgreiche Integration entscheidend ist.
Der Weg zur gewünschten Vermittlung
Um die Langzeitsitzer zu helfen, ist Geduld und eine liebevolle Konsequenz unerlässlich. Die Mitarbeiter in den Tierheimen sind auf Spenden und Unterstützung von der Öffentlichkeit angewiesen, um die Tiere bestmöglich zu versorgen und eine geeignete Vermittlung zu gewährleisten. In einer Zeit, in der viele Tierheime an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten, müssen wir alle daran denken, wie wichtig die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim für die Zukunft dieser Tiere ist. Der Kreislauf von Abgabe und Neubeschaffung sollte durch verantwortungsvolle Haltung und langfristige Bindungen durchbrochen werden.