Das Gesundheitssystem in Deutschland ist auf Zuwanderung angewiesen, doch ausländische Mediziner sehen sich häufig mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Dies wird deutlich, wenn man die Erfahrungen von Ärzten aus verschiedenen Ländern betrachtet. Ein Beispiel ist Faisal Shehadeh, ein 42-jähriger Unfallchirurg aus Syrien, der in der Asklepios Klinik in Langen arbeitet und kaum Probleme bei seiner Integration hatte. Im Gegensatz dazu steht Lesia Haidych, eine 41-jährige Fachärztin für Innere Medizin aus der Ukraine, die seit 2022 mit erheblichen Schwierigkeiten beim Anerkennungsverfahren zu kämpfen hat. Haidych beschreibt ihre Situation als herausfordernd, da sie viel Zeit und Geld in Sprachkenntnisse investiert hat, das Anerkennungsverfahren jedoch oft Jahre in Anspruch nimmt.

Atilla Vurgun, der Leiter der Akademie für Heilberufe in Frankfurt, berichtet von langen Wartezeiten für Gleichwertigkeitsbescheide und Kenntnisprüfungen. Ein zentrales Problem ist, dass es keine einheitlichen Standards für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse gibt; jedes Bundesland trifft eigene Entscheidungen. Haidych erhielt jüngst eine Ablehnung ihrer Anerkennung und muss nun die Kenntnisprüfung ablegen, obwohl sie in der Ukraine als Kardiologin gearbeitet hat. Zudem bemerkt Vurgun, dass die Sprachkenntnisse der Bewerber im Durchschnitt schlechter geworden sind. Shehadeh hingegen, der sein Medizinstudium 2006 in Syrien abschloss und 2015 seine Facharztausbildung in Deutschland beendete, sieht die hohen medizinischen Standards in Deutschland als Grund für seine Wahl des Landes. Er initiierte 2009 eine Gruppe syrischer Ärzte, um sich über medizinische Prüfungen und Anerkennungsverfahren auszutauschen. Syrer stellen die zweitgrößte Gruppe bei anerkannten ausländischen Abschlüssen in Deutschland, und viele engagieren sich aktiv für den Wiederaufbau des Gesundheitssystems in ihrer Heimat.

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Gesetzespläne zur Verbesserung der Situation

Angesichts der Herausforderungen, mit denen ausländische Ärzte konfrontiert sind, hat das Bundeskabinett Gesetzespläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die Anerkennung von Berufsqualifikationen zu beschleunigen und zu vereinheitlichen. Dies betrifft nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Zahnärztinnen, Zahnärzte, Apothekerinnen, Apotheker sowie Hebammen. Warken betont, dass es keine Abstriche bei der Patientensicherheit und Versorgungsqualität geben soll. Ein einheitliches Verfahren zur Anerkennung wird angestrebt, um den dringend benötigten Fachkräften aus dem Ausland die Integration in das deutsche Gesundheitssystem zu erleichtern.

Laut Bundesärztekammer (BÄK) stieg die Zahl der berufstätigen Ärzte ohne deutsche Staatsangehörigkeit Ende letzten Jahres auf 68.000, was einem Anstieg von 6,8% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der ausländischen Ärzte mehr als verdoppelt, und über 15% aller berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland besitzen einen ausländischen Pass. Diese Entwicklung zeigt die Notwendigkeit qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Deutschland.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die geplanten Gesetzesänderungen sollen dazu beitragen, bürokratische Hürden abzubauen und den Betroffenen zu ermöglichen, schneller in Deutschland zu arbeiten. Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich stellen eine große Herausforderung dar. Die Bundesregierung hat erkannt, dass eine schnellere und einfachere Anerkennung von Berufsqualifikationen entscheidend ist, um den Bedarf an medizinischem Personal zu decken. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und effizient diese Pläne umgesetzt werden können, aber die Richtung ist klar: Die Integration ausländischer Mediziner in das deutsche Gesundheitssystem soll erleichtert werden.

Weitere Informationen zu den Entwicklungen im Anerkennungsverfahren für Heilberufe finden Sie in den ausführlichen Berichten von der Süddeutschen Zeitung, dem Ärzteblatt und der Bundesregierung.