Die Rückkehr von syrischen Flüchtlingen in ihr Heimatland ist ein Thema, das in Deutschland und darüber hinaus zunehmend in den Fokus rückt. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Fadi Mohammad, einem 23-jährigen Syrer, der aus Deutschland nach Syrien zurückgekehrt ist. Mohammad lebte fast zwei Jahre in Deutschland mit einer befristeten Aufenthaltserlaubnis, bevor er sich entschloss, in die Nähe von Idlib zurückzukehren. Doch schon bald stellte er fest, dass er sich in seiner Heimat nicht heimisch fühlte und bereut nun seine Entscheidung. Er möchte wieder nach Deutschland zurückkehren, um dort eine Ausbildung als Pflegekraft zu absolvieren.
Die Rückkehr wurde durch Heimweh und politische Rufe in Deutschland beeinflusst. Mohammad wurde durch Social-Media-Clips der syrischen Regierung über angeblichen Wohlstand und Normalität in Syrien überzeugt, stellte jedoch schnell fest, dass die Realität anders aussieht. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind bis Ende November 2025 insgesamt 3.262 Syrer mit staatlicher Unterstützung in ihre Heimat zurückgekehrt. Es gibt jedoch nur wenige wissenschaftliche Studien zur Zufriedenheit dieser Rückkehrer, und Hinweise deuten darauf hin, dass viele von ihnen enttäuscht sind.
Die Herausforderungen der Rückkehr
Die Rückkehrer stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Mohammad leidet seit seiner Rückkehr an Suizidgedanken und fühlt sich emotional belastet. Er berichtet von sozialem Druck, sich an konservative gesellschaftliche Normen anzupassen, insbesondere in der stark religiös geprägten Provinz Idlib, wo HTS (Haiʾat Tahrir asch-Scham) die Kontrolle übernommen hat. Die Sicherheitslage in Syrien bleibt angespannt, mit militärischen Auseinandersetzungen in der Nähe, und Mohammad hat Schwierigkeiten, sich wirtschaftlich zu etablieren. Er eröffnete ein Schnellrestaurant, das jedoch nicht erfolgreich war.
Im Jahr 2022 beantragten 5.976 Syrerinnen und Syrer die vom BAMF geförderte freiwillige Ausreise nach Syrien, und 3.678 von ihnen sind bereits zurückgekehrt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht dies als Erfolg der Migrationswende. Die Unterstützung für die Rückkehr umfasst die Übernahme der Flugkosten sowie eine Starthilfe von 1.000 Euro für Erwachsene und 500 Euro für Kinder und Jugendliche. Die humanitäre Situation in Syrien bleibt jedoch schwierig, mit zerstörter Infrastruktur und anhaltenden Kämpfen. Die Johanniter Auslandshilfe betont die Notwendigkeit, die Situation vor einer Rückkehr zu recherchieren.
Rückkehr und Integration
Die Debatte über die Rückkehr von syrischen Staatsangehörigen ist komplex. Nahla Osman, Rechtsanwältin und stellvertretende Vorsitzende des Verbands deutsch-syrischer Hilfsvereine, kritisiert die Diskussion in Deutschland als wenig differenziert und betont, dass viele bereits integriert sind und nicht unter den aktuellen Bedingungen zurückkehren möchten. Ende 2023 lebten insgesamt rund 972.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland, von denen 88% einen anerkannten Schutzstatus hatten. Im September 2024 waren rund 287.000 syrische Staatsangehörige beschäftigt, jedoch lag die Beschäftigungsquote nur bei 41,7%.
Die humanitäre Hilfe ist nach wie vor dringend notwendig, da weite Teile Syriens zerstört sind und 16,7 Millionen Menschen, das entspricht 90% der Bevölkerung, humanitäre Hilfe benötigen. Die politische Zukunft Syriens nach dem Ende der 50-jährigen Herrschaft des Assad-Clans ist ungewiss. UNHCR rechnet mit gut einer Million Rückkehrern aus Nachbarländern im Zeitraum Januar bis Juni 2025, doch die Bedingungen vor Ort machen eine Rückkehr oft ungewiss und riskant. Der Gesundheitsminister in Syrien erklärte, dass medizinische Geräte in sehr begrenzter Anzahl vorhanden sind, was die Rückkehrer in eine prekäre Lage bringt.
Insgesamt zeigt die Geschichte von Fadi Mohammad und die Situation der syrischen Rückkehrer, dass die Entscheidung, in die Heimat zurückzukehren, mit zahlreichen Herausforderungen verbunden ist. Für viele bleibt Deutschland eine sichere Zuflucht und ein Ort der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.