Die Herausforderungen, denen internationale Studierende in Deutschland gegenüberstehen, sind vielfältig und oftmals frustrierend. Besonders deutlich wird dies am Beispiel von Zar Ahsan, einem jungen Mann aus einer Bauernfamilie in der pakistanischen Provinz Punjab, der einen Studienplatz für einen Masterstudiengang in Biologie in Baden-Württemberg erhalten hat. Ahsan hat Jobangebote in Pakistan und Großbritannien abgelehnt, in der Hoffnung, nach Deutschland gehen zu können. Doch seit fast fünf Monaten wartet er auf einen Termin für ein Visumsgespräch in der Deutschen Botschaft in Islamabad. Die Wartezeit hat sich von 15 Tagen auf über ein Jahr verlängert, was ihn und viele andere in eine psychisch belastende Situation bringt. Eine Gruppe von etwa 2.000 jungen Pakistanern hat sich in sozialen Medien zusammengefunden, um ihre Frustrationen über die Visa-Problematik zu teilen. Ahsan beschreibt die schlechte Kommunikation der Botschaft als besonders hinderlich. Sollte er bis April sein Visum nicht erhalten, muss er sich exmatrikulieren und seine Pläne aufgeben (Quelle).
Die Probleme, die Ahsan betrifft, sind nicht isoliert. Studierende aus Nicht-EU-Ländern müssen zahlreiche administrative Hürden überwinden, bevor sie in Deutschland studieren können. Zu späte Zulassungsbescheide und lange Wartezeiten bei der Visavergabe erschweren den Studienstart. Eine Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Studierenden aus Nicht-EU-Ländern ihre Zusage weniger als drei Monate vor Semesterbeginn erhielten. Im Wintersemester 2023/24 waren laut DAAD-Publikation knapp 10.000 Pakistaner an deutschen Hochschulen eingeschrieben, doch viele kommen erst nach Semesterbeginn an. Das führt dazu, dass wichtige Orientierungsphasen, Willkommenswochen und Sprachkurse ins Leere laufen (Quelle).
Die Auswirkungen auf die Studierenden
Die administrativen Herausforderungen haben auch direkte Auswirkungen auf die Studienmotivation und den Studienerfolg. Internationale Studierende haben eine höhere Abbruchquote im Vergleich zu ihren deutschen Kommilitonen. Die verspätete Anreise führt häufig dazu, dass sie sich nicht ausreichend in die Studienumgebung integrieren können. Im Durchschnitt dauern die Visa-Wartezeiten über 60 Tage, und die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt sowie die Abhebung von Geld vom Sperrkonto benötigen im Schnitt weitere 25 Tage. Dies alles summiert sich zu einer stressreichen Situation, die den Studienstart erheblich erschwert (Quelle).
Die Bundesregierung hat erkannt, dass internationale Studierende eine wertvolle Ressource für die deutsche Wirtschaft sind. Im Wintersemester 2017/18 waren fast 375.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, und der DAAD hat sich zum Ziel gesetzt, die Anwerbung und Bindung dieser Studierenden zu fördern. Dazu gehören unter anderem eine Erleichterung der Aufenthaltsbestimmungen und eine bessere Abstimmung zwischen Behörden, Städten und Hochschulen. Maßnahmen wie digitale Verfügbarkeit von Informationen und Dokumenten, sowie frühere Zulassungsbescheide, könnten den Studienstart erheblich erleichtern. Die internationale Rekrutierung steht im Zusammenhang mit der Fachkräftesicherung und der Internationalisierung der Hochschulen (Quelle).
Diese Entwicklungen sind nicht nur für die Studierenden wichtig, sondern auch für die deutsche Gesellschaft insgesamt. Die Integration internationaler Studierender in den Arbeitsmarkt muss gefördert werden, um die Chancen auf eine erfolgreiche Karriere nach dem Studium zu erhöhen. Letztlich hängt der Erfolg dieser Studierenden von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter auch die Unterstützung durch Universitäten und die Gesellschaft.