In Deutschland ist die Diskussion um die Finanzierung des Gesundheitssystems aktueller denn je. Ein Vorschlag der SPD zur Einführung einer Gesundheitsabgabe auf Miet- und Kapitaleinkünfte stößt auf heftige Kritik. Der Verband der Ersatzkassen (Vdek) sieht das zentrale Problem nicht in den Einnahmen, sondern in den steigenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. 2023 erreichen die Gesundheitsausgaben in Deutschland ein Rekordniveau von etwa 370 Milliarden Euro. Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Vdek, hebt die hohen Arzneimittelausgaben und die ineffizienten Strukturen in Krankenhäusern und der Notfallversorgung hervor. Trotz der hohen Ausgaben liegt die Lebenserwartung in Deutschland nur im Durchschnitt, was die Frage aufwirft, ob das Geld dort sinnvoll investiert wird.

Deutschland hat mit 5.413 Euro pro Kopf die höchsten Gesundheitsausgaben in der EU; Dänemark folgt mit 4.137 Euro pro Kopf, was einen Unterschied von 30% ausmacht. Der Vdek fordert von der Bundesregierung, das Ausgabenproblem anzugehen und Strukturreformen zur Verbesserung der Versorgung und Wirtschaftlichkeit einzuleiten. Die Gesundheitsabgabe wird als ein falscher Ansatz angesehen, da sie vor allem Versicherte mit mittleren Einkommen und geringen Kapitaleinkünften belasten würde. Stattdessen plädiert der Vdek dafür, dass versicherungsfremde Leistungen, wie Gesundheitskosten für Bürgergeldempfangende, vollständig aus Steuermitteln erstattet werden sollten. Diese Maßnahme könnte die gesetzliche Krankenversicherung jährlich um mindestens zehn Milliarden Euro entlasten. Weitere Details zu den Vorschlägen und der aktuellen Diskussion sind in einem umfassenden Artikel auf Cash Online zu finden.

Der steigende Druck auf die Gesundheitsfinanzierung

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland lagen im Jahr 2022 bei 498 Milliarden Euro, was 5.939 Euro pro Einwohner entspricht. Der Anteil dieser Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 12,8%, womit Deutschland weltweit den dritten Platz bei den Gesundheitsausgabenanteilen am BIP einnimmt, hinter den USA und Kanada. Diese Zahlen reflektieren einen anhaltenden Anstieg der Ausgaben, der durch medizinischen Fortschritt und den demographischen Wandel verstärkt wird. Besonders während der Corona-Krise stiegen die Gesundheitsausgaben aufgrund von Mehrausgaben und wirtschaftlicher Abschwächung.

Im Jahr 2022 entfielen 53% der Gesundheitsausgaben auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die Sozialversicherungsträger trugen über zwei Drittel der Ausgaben, während die private Krankenversicherung (PKV) lediglich 7,7% übernahm. Die GKV-Ausgaben beliefen sich 2022 auf knapp 289 Milliarden Euro, wovon 274 Milliarden Euro für Leistungsausgaben verwendet wurden. Der größte Teil der Leistungsausgaben entfiel auf Krankenhausbehandlungen (32,1%), gefolgt von Arzneimittelversorgung (17,8%) und ambulanter ärztlicher Behandlung (16,8%). Die Verwaltungskosten der GKV betrugen 14,5 Milliarden Euro, was 5,3% der Gesamtausgaben ausmacht. Weitere Details über die Ausgabenstruktur sind auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung zu finden.

Politische Kontroversen und Reformvorschläge

Die Diskussion um die Finanzierung des Gesundheitssystems ist von politischen Kontroversen geprägt, insbesondere hinsichtlich der Gerechtigkeit im Krankenversicherungssystem. Vorschläge für eine Bürgerversicherung, die eine gemeinsame Krankenversicherung für alle vorsehen würde, sind immer wieder ein Thema. Diese soll alle Einkünfte berücksichtigen, um eine gerechtere Finanzierung zu erreichen. Kritiker der Bürgerversicherung argumentieren, dass die PKV zur finanziellen Entlastung der GKV beiträgt, was die Debatte weiter anheizt.

Insgesamt zeigt sich, dass die Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem nicht nur durch die Höhe der Ausgaben, sondern vor allem durch die Effizienz und Struktur der Versorgung geprägt sind. Es bleibt abzuwarten, welche Reformen die Bundesregierung in Angriff nehmen wird, um die finanziellen Belastungen für Versicherte zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Gesundheitsversorgung zu sichern.