In Deutschland sorgt die Vielzahl an gesetzlichen Krankenkassen für Diskussionen. Aktuell sind es 93 an der Zahl, was in der Öffentlichkeit oft als zu viel angesehen wird. Kritiker fordern eine Reduzierung der Kassenanzahl, um Verwaltungskosten zu sparen. Markus Blumenthal-Beier, Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, hat die Krankenkassen aufgefordert, ihre eigenen Kosten zu überprüfen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass 1970 noch 1.815 Krankenkassen im Land aktiv waren, was die Dimension des Themas verdeutlicht.
Die Finanzkommission Gesundheit hat kürzlich 66 Vorschläge zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken übergeben. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kommission von einer Einheitskrankenkasse abrät. Der Markt zeigt, dass 84 Prozent der GKV-Versicherten bei den 20 größten Krankenkassen versichert sind. In einigen Bundesländern haben die fünf größten Kassen sogar Marktanteile zwischen 68 und 85 Prozent.
Verwaltungskosten im Fokus
Ein Vergleich mit dem Nachbarland Österreich zeigt, dass dort im Jahr 2020 neun Gebietskrankenkassen zur Österreichischen Gesundheitskasse fusionierten. Diese Fusion führte jedoch zu einem Anstieg der Ausgaben für Mitarbeiter, IT und Verwaltung um 25 Prozent. Im selben Zeitraum stiegen die Verwaltungsausgaben der deutschen Krankenkassen lediglich um 7 Prozent. Interessanterweise gibt es in Deutschland keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Größe einer Krankenkasse und den Verwaltungskosten je Versichertem. Dies könnte darauf hindeuten, dass der Preiswettbewerb zwischen den Kassen tatsächlich zur Kostensenkung beiträgt.
Die Verwaltungskosten der Kassen haben sich in den letzten Jahren relativ positiv entwickelt: Der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesamtausgaben sank von 5,4 auf unter 4 Prozent. Zudem stieg die Betreuungsquote pro Mitarbeiter von 487 Versicherten im Jahr 2004 auf 563 im Jahr 2024. Die Kommission schlägt vor, die Obergrenze für Werbeausgaben der Kassen zu halbieren, um weitere Einsparungen zu erzielen.
Aktuelle Entwicklungen und Statistiken
Eine aktuelle Analyse zeigt, dass die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen im Jahr 2023 gestiegen sind, was geringfügig über den Werten des Vorjahres liegt. Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenkassen: Jene mit niedrigeren Netto-Verwaltungskosten rangieren in der Tabelle weiter oben. Die Verwaltungseffizienz kann jedoch nicht nur anhand der Verwaltungsausgaben pro Versicherten gemessen werden. Höhere Morbidität führt zu höheren Verwaltungskosten, während Krankenkassen mit einem gesünderen Versichertenbestand Vorteile in der Kostenstruktur haben.
Die Datengrundlage für diese Informationen stammt aus der Pflichtveröffentlichung der Jahresrechnungsergebnisse nach § 305 b SGB V. Die letzte Veröffentlichung fand im November 2024 für das Jahr 2023 statt. Ein Blick auf die Entwicklung der Netto-Verwaltungskosten zeigt, dass viele Krankenkassen, wie beispielsweise die BKK firmus, ihre Kosten signifikant reduzieren konnten, während andere, wie die BKK EUREGIO, einen Anstieg verzeichneten. Diese Unterschiede sind entscheidend für die künftige Diskussion über die Struktur der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.