Am 7. Januar 2025 erinnerten in Dessau-Roßlau, Sachsen-Anhalt, rund 700 Menschen an den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh. Veranstalter berichteten von etwa 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die anlässlich des 20. Todestages der tragischen Ereignisse zusammenkamen. Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in seiner Polizeizelle gestorben, und die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt.
Offiziell wird vertreten, dass Jalloh das Feuer in seiner Zelle selbst gelegt hätte, während er an Händen und Füßen gefesselt auf einer Matratze lag. Die Organisatoren der Kundgebung bezweifeln diese Darstellung und werfen der Polizei Mord vor, was auf das tiefe Misstrauen hinweist, das viele Angehörige und Initiativen gegenüber der Polizeiarbeit hegen. In der Vergangenheit gab es bereits rechtliche Auseinandersetzungen und Urteile, die die Vorgehensweise der Polizei in dieser Angelegenheit in Frage stellen.
Zweifel an den Umständen des Todes
Oury Jalloh war zum Zeitpunkt seines Todes wegen Frauenbelästigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verhaftet worden. Im Jahr 2012 wurde der Dienstleiter im Zusammenhang mit seinem Tod wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt, da er eine bessere Überwachung der Zelle hätte sicherstellen müssen. Dieses Urteil wurde 2014 vom Bundesgerichtshof bestätigt.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu Jallohs Tod wurden im Herbst 2017 eingestellt, da keine Klärung zu erwarten sei. Dies führte zu weiteren rechtlichen Schritten, darunter eine Beschwerde des Bruders von Jalloh, die 2023 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen wurde. Zudem wurden zwei Sonderermittler, die 2018 eingesetzt wurden, deren Ergebnisse zeigten, dass es Rassismus sowie Fehler und Versäumnisse gab, jedoch keine neuen Ermittlungsansätze identifiziert werden konnten.
Mouctar Bah, ein Freund von Jalloh, kritisierte die Behörden scharf und ließ eine zweite Autopsie durchführen, bei der ein Nasenbeinbruch festgestellt wurde. Der leitende Polizeibeamte Hanno Schulz wies die vorgebrachte Kritik zurück und bezeichnete die Fragen vor Gericht als voreingenommen. Trotz der anhaltenden Zweifel und Diskussionen bleibt der Tod von Oury Jalloh ein ungelöstes Rätsel, das zum Gedenken und zur Kontroverse anregt.