Die Gesundheit von Frauen in Deutschland steht zunehmend im Fokus der Diskussion, insbesondere im Hinblick auf den Gender-Pay-Gap, der negative Auswirkungen auf die Frauengesundheit hat. Laut einer aktuellen Studie der Diakonie Schleswig-Holstein und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel zeigt sich, dass Frauen im Niedriglohnbereich und in herausfordernden Berufen, wie der Pflege, oft unter Stress und Existenzängsten leiden. Die ökonomische Armut, die durch Care-Arbeit und gesellschaftliche Rollenbilder verstärkt wird, führt dazu, dass viele Frauen kein Budget für Haushaltshilfen oder Kinderbetreuung haben.
Besonders auffällig ist die Situation älterer Frauen, die häufig aus dem Beruf aussteigen oder in Teilzeit arbeiten, was zu Karriereunterbrechungen führt. Dies hat zur Folge, dass eine zunehmende Zahl alleinerziehender Mütter existiert, während Väter in Vollzeit arbeiten und Rentenpunkte sammeln. Unverheiratete Mütter sind besonders von Vorsorgelücken betroffen, und das fehlende Geld über Jahrzehnte beeinträchtigt nicht nur gesunde Ernährung, sondern auch Sportangebote und gesundheitsfördernde Maßnahmen.
Das Gender-Health-Paradoxon
Experten sprechen vom Gender-Health-Paradoxon: Frauen leben länger (im Durchschnitt etwa 83 Jahre), haben aber mehr chronische Erkrankungen. Dr. Christine Mau-Florek, Gynäkologin und stellvertretende Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Frauenärzteverbands, berichtet von den finanziellen Hürden, die Frauen daran hindern, präventive Gesundheitsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Die Kosten für Knochendichtemessungen und Schilddrüsenwerte sind für viele Frauen unerschwinglich, und Krankenkassen übernehmen die Kosten oft erst nach gesundheitlichen Problemen, was die Prävention erschwert.
In höheren Altersgruppen sind viele Frauen gezwungen, in mehreren Jobs zu arbeiten oder auch im Rentenalter aktiv zu sein, um finanziell über die Runden zu kommen. Eine Scham hindert viele Frauen, ihre finanzielle und gesundheitliche Lage offen anzusprechen, was die Situation weiter verschärft. Rund 37.000 Schleswig-Holsteinerinnen erhalten mittlerweile eine Erwerbsminderungsrente, und fehlende Mobilität sowie soziale Isolation stellen signifikante Gesundheitsbarrieren dar. Immer mehr Frauen erleben Gesundheit als ein Privileg, das sich viele ältere Frauen nicht leisten können.
Gesundheitsunterschiede und Gender-Gap
Die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nicht nur ein lokal begrenztes Phänomen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung verdeutlicht, dass soziale Geschlechterrollen auch in der medizinischen Versorgung eine Rolle spielen. Der Gender-Pay-Gap von 16% im Jahr 2025, bei dem Frauen 16% weniger pro Stunde verdienen als Männer, führt zu einem Gender-Hours-Gap von 18%, was bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt 18% weniger Stunden pro Woche arbeiten als Männer. Dies hat direkte Auswirkungen auf ihre finanzielle Unabhängigkeit und damit auch auf ihre Gesundheit.
In Ostdeutschland ist die Erwerbsbeteiligung und die Vollzeitarbeit von Frauen höher, was zu einem geringeren Gender Gap auf dem Arbeitsmarkt führt. Während der Gender Gap im Osten bei 22% liegt, stagniert er im Westen bei 39%. Diese regionalen Unterschiede haben weitreichende Folgen für die wirtschaftliche und gesundheitliche Situation von Frauen.
Fazit
Insgesamt zeigt sich, dass die gesundheitliche Lage von Frauen in Deutschland stark von ökonomischen Faktoren beeinflusst wird. Der Gender-Pay-Gap ist nicht nur eine Frage von ungleichem Lohn, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen. Eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und die Schaffung eines Umfelds, das die gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt, sind unerlässlich, um die Gesundheit zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Die Herausforderungen sind groß, doch der Weg zu einer faireren und gesünderen Zukunft für Frauen in Deutschland führt über die Anerkennung dieser Probleme und die Entwicklung nachhaltiger Lösungen.