In Baden-Württemberg sorgt ein aktueller Fall für Aufregung: Der erste Fall von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in diesem Jahr wurde im Ostalbkreis registriert. Das Landesgesundheitsamt in Stuttgart hat die Information nun offiziell veröffentlicht. Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) nutzt die Gelegenheit, um zur Schutzimpfung aufzurufen. Er betont, dass FSME jeden treffen kann, jedoch niemand schutzlos ist. Die Impfung gilt als der beste Schutz gegen diese potenziell gefährliche Krankheit.
Aktuell sind nur etwa 17 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg vollständig geimpft. Für den vollen Impfschutz sind drei Impfungen notwendig. Im Jahr 2023 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 260 FSME-Erkrankungen gemeldet, was den vierthöchsten Wert seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 darstellt. Die jährlichen Fallzahlen schwanken zwar, zeigen jedoch insgesamt einen leichten Anstieg. Dieser Anstieg wird vor allem auf die ganzjährige Aktivität der Zecken zurückgeführt, die das FSME-Virus in ganz Deutschland verbreiten. Experten machen auch den Klimawandel für die steigenden Zahlen verantwortlich. Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen sind in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zu finden.
Zecken und ihre Risiken
Die Zunahme zeckenübertragener Infektionen wie FSME und Lyme-Borreliose ist nicht nur ein lokales, sondern ein europäisches Phänomen. Insbesondere die Entdeckung neuer bakterieller und viraler Infektionen durch Zecken in den letzten Jahren ist alarmierend. Klimafaktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf den natürlichen Übertragungszyklus von FSME-Viren. Dazu zählen sowohl die tägliche als auch die saisonale Aktivität der Zecken sowie die Wirtsfindungs-Aktivitäten und Populationsstrukturen der Wirbeltierwirte des FSME-Virus.
Eine weitere interessante Erkenntnis ist, dass die Umgebungstemperatur einen bislang wenig beachteten Einfluss auf das FSME-Virus in Zecken hat. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden in Ländern wie Schweden, Finnland und Russland eine Ausweitung der Verbreitungsgebiete von Ixodes ricinus, der häufigsten Zeckenart, sowie des FSME-Virus beobachtet. In Mitteleuropa sind zunehmend auch höhere Lagen, insbesondere in Mittelgebirgen, betroffen. Trotz dieser Veränderungen zeigt sich jedoch keine klare Ausbreitung der bekannten FSME-Endemiegebiete in Mitteleuropa. Meteorologische Faktoren scheinen einen größeren Einfluss auf die Zeckenaktivität und die FSME-Virus-Aktivität zu haben als der Klimawandel selbst. Weitere Details zu diesem Thema können in der Publikation der Universität Hamburg nachgelesen werden.
Die Bedeutung der Impfung
Angesichts der steigenden Fallzahlen und der zunehmenden Aktivität der Zecken ist es wichtiger denn je, sich über die Risiken von FSME und die Möglichkeiten des Schutzes zu informieren. Die Impfkampagnen müssen verstärkt werden, um das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen und die Impfquote zu erhöhen. Nur so kann eine breitere Immunität gegen diese Erkrankung erreicht werden und die Gesundheit der Bevölkerung langfristig gesichert werden.
Es bleibt zu hoffen, dass sowohl die Wissenschaft als auch die Politik gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Gefahren durch zeckenübertragene Krankheiten in den Griff zu bekommen und die Bevölkerung bestmöglich zu schützen.






