In Erfurt wurde kürzlich die erste Moschee der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen feierlich eingeweiht, und das nicht ohne Herausforderungen. Der Bau, der 2018 mit der Grundsteinlegung begann, erstreckte sich über mehrere Jahre und war von massiven islamfeindlichen Protesten begleitet. Diese äußerten sich unter anderem in Form von Protest-Kreuzen und Schweinekadavern, die während der Bauzeit präsentiert wurden. Doch trotz dieser Anfeindungen fand die Einweihungsfeier am Stadtrand der Landeshauptstadt statt, und die Freude über den neuen Ort des Glaubens war spürbar.
Die neue Mahmud-Moschee soll ein Haus des Gebets, Dialogs und gegenseitigen Respekts sein. Sie weist ein acht Meter hohes Zierminarett auf und wurde mit einem Gesamtbudget von 1,4 Millionen Euro, finanziert ausschließlich durch Spenden, errichtet. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gratulierte per Videobotschaft und betonte die Rolle der Religion als Ausdruck von Heimat. Auch der Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow richtete sich an die Gemeinde und äußerte den Wunsch nach einem kraftvollen Start, während er gleichzeitig an die Diskriminierungen erinnerte, die die Gemeinde während des Bauprozesses erfahren hatte.
Ein Ort des Dialogs und der Hoffnung
Die Eröffnung fand in Anwesenheit zahlreicher Gäste statt, darunter auch die Bischöfe Ulrich Neymeyr und Friedrich Kramer sowie der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde Reinhard Schramm. Neymeyr drückte seine Freude über die neue Moschee aus und hoffte, dass sie ein positives Signal für Religionsfreiheit in anderen Ländern aussendet. Suleman Malik, der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde Thüringen, sprach von Dankbarkeit und den Herausforderungen, die der Bau mit sich brachte.
Die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die eine weltweite islamische Reformbewegung darstellt, hat in Deutschland etwa 60.000 Mitglieder und betreibt mehr als 60 Moscheen. In Thüringen wurde die Gemeinde im Jahr 1990 gegründet und zählt rund 100 Mitglieder. Mit dem Bau der Mahmud-Moschee ist ein bedeutender Schritt in der Integration und im interreligiösen Dialog in der Region getan worden.
Eine lange Baugeschichte
Die Baugeschichte der Moschee umfasst über zehn Jahre Planung und Diskussionen. Dabei wurden die Anwohner und die Stadtgesellschaft immer wieder mit den Ängsten und Vorurteilen konfrontiert, die in Teilen der Bevölkerung vorhanden sind. Dennoch bleibt die Ahmadiyya-Gemeinde standhaft und verfolgt das Motto „Liebe für Alle, Hass für Keinen“. Laut Ramelow ist es wichtig, dass die Religionsfreiheit in Erfurt und darüber hinaus gefördert wird, besonders in einer Zeit, in der populistische Strömungen und rechtsextreme Gruppen versuchen, Angst zu schüren.
Die Mahmud-Moschee öffnete am Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr ihre Türen zum „Tag der offenen Moschee“, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, diesen neuen Ort des Glaubens kennenzulernen und sich über die Ahmadiyya-Gemeinschaft zu informieren. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung mehr Verständnis und Toleranz in der Gesellschaft.
Die Einweihung der Moschee ist nicht nur ein triumphaler Moment für die Ahmadiyya-Gemeinde, sondern auch ein Zeichen für die Vielfalt und den interreligiösen Dialog in Erfurt. In einer Stadt, in der rund 70% der 220.000 Einwohner keiner Religionsgemeinschaft angehören, ist es umso wichtiger, Orte zu schaffen, die den Austausch zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen fördern.
Insgesamt ist die Mahmud-Moschee ein Symbol für Hoffnung und den Willen zur Integration, auch wenn die Herausforderungen, die die Gemeinde bei ihrem Bau erleben musste, nicht vergessen werden sollten. Die fortwährende Unterstützung durch lokale Religionsvertreter und die Stadtgesellschaft ist ein positives Zeichen für die Zukunft.
Für detaillierte Informationen zur Eröffnung der Moschee und den damit verbundenen Ereignissen, können Sie die Artikel von FAZ, Welt und DW lesen.