Emma Rotermann, eine 21-jährige Tierwirtin aus Lübbersdorf bei Wismar, steht im Mittelpunkt eines bedeutenden Engagements für die Landwirtschaft auf der „Grünen Woche“ in Berlin. Diese internationale Messe, eine der wichtigsten Veranstaltungen im Bereich Ernährung und Landwirtschaft, bietet Emma die Gelegenheit, die Bedeutung der Landwirtschaft und ihrer Herausforderungen hervorzuheben. In einer Branche, die oft übersehen wird, spricht sie auch die Notwendigkeit eines Generationenwechsels in der Landwirtschaft an, da der Anteil junger Landwirte alarmierend niedrig ist. Derzeit sind in der EU nur knapp 12 Prozent der Landwirte unter 40 Jahre alt, und das Durchschnittsalter liegt bei 57 Jahren, wie Grüne Woche berichtet.
Emma, deren Vater Geschäftsführer der Agrargemeinschaft Lübstorf ist, begann ihren Arbeitstag früh um 4 oder 5 Uhr morgens. Auch wenn die körperliche Arbeit – insbesondere bei der Geburtshilfe von Kühen – anstrengend sein kann, empfindet sie ihren Beruf als rundum erfüllend. „Kein Tag ist wie der andere“, bemerkt sie und hebt hervor, dass Frauen in der Landwirtschaft mit ihren männlichen Kollegen gleichziehen können. Ihre Ausbildung zur Tierwirtin hat sie nach dem Abitur abgeschlossen, und aktuell studiert sie Agrarwissenschaften in Halle (Saale), wo der Anteil der Frauen im Studiengang nahezu ausgeglichen ist.
Herausforderungen und Chancen für die Landwirtschaft
Der EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, Christophe Hansen, der ebenfalls auf der „Grünen Woche“ sprach, betonte die Notwendigkeit, die Polarisierung zwischen Landwirten und der Zivilgesellschaft abzubauen. „Die Landwirte sind die ersten Opfer der Klimafolgen, wie Trockenheit und Überschwemmungen“, so Hansen. Er plant, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in Kürze vorzustellen, um den Landwirten faire Preise und weniger Bürokratie zu garantieren. Dies sind wichtige Themen, die auch Emma in ihren Veranstaltungen aufgreift, um die Wertschätzung für die Landwirtschaft zu erhöhen.
Der Anteil von Frauen in der Landwirtschaft ist ein weiteres drängendes Thema. Aktuell sind Frauen in vielen europäischen Ländern unterrepräsentiert – nur jeder neunte Landwirtschaftsbetrieb wird von einer Frau geleitet. In Ostdeutschland, einschließlich Emma’s Heimat, ist der Anteil höher als in den alten Bundesländern, wobei Brandenburg im Jahr 2023 mit rund 20 Prozent den höchsten Frauenanteil in Betriebsleitungen verzeichnete, so Thünen-Institut.
Ein Appell für ein Umdenken
Emma Rotermann sieht die „Grüne Woche“ nicht nur als Plattform, um ihre eigene Karriere zu fördern, sondern auch als Gelegenheit, um ein Umdenken in der Gesellschaft zu fordern. Sie möchte, dass die Bevölkerung in den Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft einbezogen wird. „Wir müssen den Beruf des Landwirtes wieder interessant machen“, erklärt sie und fordert ein größeres Bewusstsein für die produzierten Lebensmittel und deren Wert. Sie zeigt, wie innovativ die Landwirtschaft in Bezug auf Klima- und Nachhaltigkeitsthemen sein kann, und zieht Parallelen zu Hansens Forderungen nach einem finanziellen Sicherheitsnetz für die europäische Landwirtschaft.
Die Herausforderungen, vor denen die Branche steht, sind zahlreich und komplex, doch das Engagement junger Frauen wie Emma Rotermann könnte der Schlüssel sein, um den dringend benötigten Wandel einzuleiten.