Am 6. Februar 2025 reagierte David Sauer, Ökonom und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Zittau-Görlitz, auf den vorübergehenden Ausfall des Informatikunterrichts an der Scultetus-Oberschule, indem er ein zusätzliches Ganztagsangebot ins Leben rief. Dieses Angebot richtet sich an die gesamte Klassenstufe seines Sohnes und umfasst mittlerweile 75 Schüler. Sauer wird dabei von zwei Studenten der Hochschule unterstützt.
Der neue Unterrichtsansatz findet einmal pro Woche statt und orientiert sich am bestehenden Lehrplan, allerdings ohne herkömmliche Noten. Stattdessen erhalten die Teilnehmer Punkte, was eine Abkehr vom traditionellen Bewertungssystem bedeutet. Der Unterricht basiert auf dem Prinzip „Learning by doing“, das den praktischen Aspekt des Lernens in den Vordergrund stellt und nicht mit herkömmlichem Unterricht vergleichbar ist. David Sauer nutzt diese Erfahrungen auch zur Auffrischung seiner eigenen Kenntnisse und plant, dieses Ganztagsangebot auch im kommenden Schuljahr fortzuführen, selbst wenn wieder Informatiklehrer verfügbar sind.
Positive Rückmeldungen und kreative Lösungen
Schüler und Eltern zeigen sich durchweg positiv gegenüber dem Engagement von David Sauer. An der benachbarten Oberschule Rauschwalde werden hingegen kreative Lösungen zur Bekämpfung des Lehrermangels im Informatikbereich gesucht. In diesem Kontext unterrichten zwei Aushilfslehrer der Firma Questit alle 14 Tage für 45 Minuten. Im ersten Halbjahr wurde die Informatikklasse auf zwei Räume verteilt, um den Lehrermangel auszugleichen. Dank von Fördermitteln ist es im zweiten Halbjahr gelungen, die Klassen wieder zu teilen, was eine verbesserte Unterrichtsqualität zur Folge hat.
Die Kooperation mit Questit hat zudem zur Einreichung und dem Erreichen des zweiten Platzes beim Wettbewerb „MyDigitalWorld“ geführt. In der zweiten Jahreshälfte wird das Thema Robotik und Künstliche Intelligenz für die achten und neunten Klassen behandelt, was die Digitalisierung in der Schule vorantreibt.
Die Rolle digitaler Medien im Unterricht
Der digitale Wandel hat nicht nur den Informatikunterricht, sondern das Lernen insgesamt grundlegend verändert. Schülerinnen und Schüler haben durch Internet und soziale Netzwerke sofortigen Zugang zu Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten. Trotz der vielen Vorteile da digitale Medien – wie zum Beispiel die Förderung selbstgesteuerten Lernens – stehen Lehrkräfte vor Herausforderungen bei deren effektiven Einsatz. Digitale Medien beinhalten alle elektronischen Formate, die Signale digital codieren, wie Computer, Tablets und Lernsoftware, während analoge Medien wie Schulbücher die traditionelle Lernform repräsentieren.
Um den Unterricht interessanter und realitätsnah zu gestalten, ist es entscheidend, digitale Medien sinnvoll zu integrieren. Dies erfordert nicht nur technische Ausstattung, sondern auch die Schulung der Lehrkräfte. Es gibt zahlreiche digitale Lernprogramme und -plattformen, interaktive Whiteboards und innovative Konzepte wie das „virtuelle Klassenzimmer“, die im Unterricht Verwendung finden sollten, um die Lernprozesse zu optimieren.
Herausforderungen der Digitalisierung
Ungeachtet der Fortschritte gibt es weiterhin erhebliche Herausforderungen, die die digitale Bildung betreffen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass soziale Ungleichheiten im Bildungserfolg verstärkt werden, und der Zugang zu digitalen Medien oft ungleich verteilt ist. Schüler aus Familien mit niedrigem kulturellem Kapital haben oft weniger Zugang zu technischen Geräten, was ihre digitalen Kompetenzen einschränkt. Zum Beispiel erreichten nur 43% dieser Schüler maximal die untersten Kompetenzstufen in digitalen Fähigkeiten, was einen klaren Handlungsbedarf aufzeigt.
Während der pandemiebedingten Schulschließungen wurde der evidente Mangel an digitaler Ausstattung als größte Herausforderung wahrgenommen. Programme wie der „DigitalPakt Schule“ sollen dazu beitragen, die digitale Infrastruktur zu verbessern und Schüler ohne mobile Endgeräte zu unterstützen. Die Integration digitaler Medien erfordert eine kontinuierliche Reflexion und Optimierung, um die Lernprozesse nachhaltig zu verbessern.
In dieser digitalen Ära müssen Schulen kontinuierlich an der Verbesserung der digitalen Bildungsinfrastruktur arbeiten und Lehrkräfte entsprechend fortbilden, um den Herausforderungen gerecht zu werden und die Bildungsgerechtigkeit zu fördern. David Sauer sieht bereits jetzt Potenzial, die Ganztagsangebote auf weitere Bereiche wie Handwerk oder Naturwissenschaften auszudehnen, was die Zukunft der digitalen Bildung an der Scultetus-Oberschule und darüber hinaus bereichern könnte.
Für mehr Informationen über die Initiativen und Möglichkeiten in der digitalen Bildung können Interessierte einen Blick auf die Internetseite des Vereins Digitale Oberlausitz werfen.