In Eibau sitzt das Ehepaar Hans und Sabine Erath am Küchentisch und blättert durch eine Broschüre über Hans‘ Heimatstadt. Die Atmosphäre ist entspannt, während sechzehn Tassen Kaffee auf dem Tisch stehen, die Teil eines Rituals während ihrer wöchentlichen Besuche sind. Diese Besuche sind jedoch mehr als nur eine gesellige Zusammenkunft, denn Sabine Erath ist ausgebildete Demenzberaterin. Ihr Ziel ist es, dem 75-jährigen Hans und seiner Lebensgefährtin Ute in einer schwierigen Zeit zur Seite zu stehen.
Die Beziehung von Ute und Hans, die vor 25 Jahren begann, wird seit etwa fünf Jahren durch die Diagnose Demenz auf die Probe gestellt. Ute bemerkte anfänglich subtile Veränderungen im Verhalten von Hans, besonders während seiner Autofahrten. Erst nach langem und mühsamem Suchen nach einem Neurologen erhielt Hans die erschütternde Diagnose. „Rückzug oder aggressive Reaktionen sind häufige Verhaltensmuster bei Menschen mit Demenz“, erklärt Sabine. Besonders gefährlich ist die Aggressivität, die Hans in stressigen Situationen zeigt.
Demenzberatung und Unterstützung
Ute ist bestrebt, die richtigen Hilfestellungen für Hans zu finden. Sie sagt, dass die Unterstützung durch Sabine Erath für sie von entscheidender Bedeutung ist. Diese nutzt unter anderem die Kommunikationsmethode, die als Validation bekannt ist, um durch verschiedene Techniken den Dialog mit Hans aufrechtzuerhalten. Zu diesen Techniken gehört der Einsatz von offenen Fragen, das Spiegeln von Gefühlen sowie das Finden von Erinnerungen an frühere Erlebnisse.
Besonders in der Kommunikation mit demenzkranken Menschen wird die nonverbale Interaktion von großer Bedeutung. Bei fortschreitender Demenz besteht bis zu 90 Prozent der Kommunikation aus nonverbalen Elementen. Dieses Wissen hat Ute dazu veranlasst, ihre Art der Kommunikation anzupassen: Sie bemüht sich um Augenkontakt und behutsame Berührungen, um eine Verbindung zu Hans herzustellen.
Gesellschaftliche Anerkennung für Pflegende
Ute möchte mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Herausforderungen, die pflegende Angehörige erleben. Trotz der schwierigeren Zeiten, die die Diagnose Demenz mit sich bringt, handelt es sich um einen Herzensdienst, den sie für Hans leistet, da er sie in der Vergangenheit stets unterstützt hat. Die Möglichkeit, die Demenzberatung über die Pflegekasse abzurechnen, ist ein weiteres positives Element im Rahmen der Unterstützung für Menschen mit Pflegebedarf. Ab Pflegegrad eins können Angehörige finanziell entlastet werden.
Die Initiative zur Sensibilisierung für das Thema Demenz wird durch einen landesweiten Aktionstag am 19. März unterstützt. Dabei werden in verschiedenen Orten, einschließlich der Oberlausitz, Vergissmeinnicht-Blumen gepflanzt. Auch Kindergärten und das Landratsamt Bautzen sind in die Aktivitäten eingebunden. Diese Aktionen sollen nicht nur auf die Herausforderungen der Demenz aufmerksam machen, sondern auch die Gesellschaft für das Thema sensibilisieren.
Zusammenfassend zeigt sich, dass die Kombination aus professioneller Beratung, familiärer Unterstützung und gesellschaftlichem Bewusstsein entscheidend ist, um den demenzkranken Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Die individuelle Aufmerksamkeit und das Verständnis für die Bedürfnisse von Erkrankten und deren Angehörigen stehen dabei im Mittelpunkt erfolgreicher Pflege.