Die Berlinale 2023 war der glanzvolle Rahmen für die Premiere des Films „Mit der Faust in die Welt schlagen“, der in der Lausitz gedreht wurde. In der Kategorie „Perspectives“ für Spielfilmdebüts konkurriert das Werk um die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Constanze Klaue hat den Film auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von Lukas Rietzschel adaptiert, der 2018 im Ullstein Verlag veröffentlicht wurde. Der Roman thematisiert die Herausforderungen von zwei Brüdern, deren Kindheit von familiärem Zerfall und Perspektivlosigkeit geprägt ist.
Die Hauptfiguren des Films, die Brüder Philipp und Tobi, verkörpert von Anton Franke und Camille Loup Moltzen, wachsen in einem fiktiven ostsächsischen Dorf namens Neschwitz auf. Ihre Geschichte offenbart die düstere Realität der Jugend in Ostdeutschland zwischen 2000 und 2015 und beleuchtet die Radikalisierung von Jugendlichen in einem von sozialem und wirtschaftlichem Rückstand geprägten Umfeld. Der Konflikt eskaliert, als der Heimatort der Brüder Flüchtlinge aufnehmen soll, was die latente Spannung in der Gemeinschaft anheizt.
Hintergrund des Romans
Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz und aufgewachsen in Kamenz, entwickelte die Idee für seinen Roman während der Flüchtlingskrise 2014/2015, als Fremdenfeindlichkeit einen Höhepunkt erreichte. In seiner Erzählung wird die Radikalisierung der Jugend thematisiert, wobei Philipp und Tobias in die Neonaziszene abdriften. Diese Entwicklung wird durch familiäre Brüche und soziale Probleme in strukturschwachen Regionen verstärkt.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert und beschreibt nicht nur die Kindheit der Brüder, sondern auch Philipps schrittweisen Rückzug aus der extremen Szene, während Tobias sich immer tiefer in die Ideologien der Neonazis verstrickt. Das Ende des Romans ist dramatisch und endet mit einem Anschlag auf die alte Grundschule der Brüder. Wichtige Motive sind die Faust als Symbol für Gewalt und die Rolle der Medien in der Gesellschaft.
Gesellschaftlicher Kontext
Die Themen des Films sind heute aktueller denn je. Laut einer Studie über „Jugend in Deutschland“ sind Jugendliche besonders anfällig für Radikalisierung, was durch gesellschaftliche Krisen wie die COVID-19-Pandemie und den Ukrainekrieg verstärkt wird. Adoleszenz, eine Phase voller Veränderungen und Herausforderungen, wird gerade in Zeiten der Unsicherheit zur kritischen Zeit für den Wandel von sozialen Normen und Verhaltensweisen.
Die Studie betont die Wechselwirkungen zwischen individuellen und gesellschaftlichen Krisen, welche Jugendliche mit Kontrollverlust und Unsicherheit konfrontieren. In einem solchen Umfeld kann das Streben nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit leicht in radikale Positionen kippen. Die Diskussion über gesellschaftliche Normen und die Rolle der Politik wird zunehmend drängender, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.
„Mit der Faust in die Welt schlagen“ wird somit nicht nur als filmische Erzählung über zwei Brüder verstanden, sondern als bedeutungsvolles Werk, das tief in die sozialen und psychologischen Herausforderungen der heutigen Jugendlichen eindringt und notwendige Fragen zur Zukunft des Zusammenlebens aufwirft. Der Film wurde dabei maßgeblich von der Mitteldeutschen Medienförderung unterstützt, die ihm 250.000 Euro zur Verfügung stellte.