In den letzten Tagen sorgte der Besuch von Björn Höcke, dem Thüringer AfD-Chef, an den Externsteinen im Teutoburger Wald für Aufregung. Der Besuch fand unter einem großen Polizeiaufgebot und Protesten statt. Höcke traf sich dort mit mehreren nordrhein-westfälischen AfD-Politikern, obwohl ursprünglich ein Besuch am Hermannsdenkmal geplant war. Dort hatten sich rund 350 Gegendemonstranten versammelt, was Höcke dazu veranlasste, sein Programm kurzfristig zu ändern und die Externsteine zu besuchen. Diese Änderung wurde jedoch nur wenigen Demonstranten rechtzeitig bekannt. Die AfD und Höcke äußerten sich nicht zu den Besuchsplänen.
Die Externsteine sind nicht nur als beliebtes Ausflugsziel bekannt, sondern haben auch eine dunkle Geschichte. Sowohl die Externsteine als auch das Hermannsdenkmal hatten im Nationalsozialismus eine propagandistische Bedeutung und ziehen bis heute rechtsextreme Kreise an, die diese Orte zur Konstruktion einer nationalen Identität nutzen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe kämpft aktiv gegen die Vereinnahmung dieser Orte durch Rechtsextreme. Berichten zufolge gab es in der Vergangenheit immer wieder Aktivitäten von Rechtsextremen an den Externsteinen, was die Notwendigkeit unterstreicht, Personal im Erkennen von Rechtsextremisten zu schulen.
Proteste und Reaktionen
Am Abend wird Höcke als Redner beim Neujahresempfang der AfD-Fraktion im Dortmunder Rathaus erwartet. Die Stadt Dortmund versuchte, die Rede im Rathaus zu verbieten, scheiterte jedoch am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Zudem sind in Dortmund Gegendemonstrationen mit mindestens 600 Teilnehmern angekündigt. Am Montagabend plant Höcke eine weitere Rede im Düsseldorfer Stadtteil Garath, wo die AfD bei den Kommunalwahlen 32 Prozent erzielte. Hier haben die Veranstalter Proteste mit rund 5000 angemeldeten Teilnehmern bei der Polizei angemeldet und erwarten tatsächlich eine deutlich höhere Zahl.
Die Externsteine und das Hermannsdenkmal gelten als Kultorte in rechtsextremistischen Kreisen, und es gibt organisierte Ausflüge von rechtsextremistischen Gruppen zu diesen Orten. Heinrich Himmler und die SS schufen einen Mythos um die Externsteine, der bis heute anhält. Diese Orte sind öffentlich zugänglich, was die Kontrolle über die dort stattfindenden Aktivitäten erschwert. Während es nach 2009 weniger Probleme mit rechten Gruppierungen gab, nimmt die Problematik mit dem Aufstieg des Rechtsextremismus in der Gesellschaft wieder zu.
Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland
Um das aktuelle Geschehen besser einordnen zu können, ist es wichtig, die Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland zu betrachten. Der bundesdeutsche Rechtsextremismus hat sich in vier Phasen entwickelt, die durch Wahlergebnisse und gesellschaftliche Veränderungen geprägt sind. Die erste Phase von 1945 bis 1961 war geprägt von Nachkriegsproblemen und der Teilung Deutschlands. In der zweiten Phase von 1962 bis 1982 gründete sich die NPD, die zwischen 1966 und 1968 in mehreren Landesparlamente einziehen konnte.
Von 1983 bis 1990 erlebte der Rechtsextremismus einen Aufschwung, während die vierte Phase, die bis heute andauert, besonders durch die Entstehung neuer rechtsextremer Gruppen in Ostdeutschland gekennzeichnet ist. Die militante und gewaltbereite Haltung im Rechtsextremismus bleibt hoch, trotz gesunkener Mitgliederzahlen. Die AfD hat einen Großteil des rechtsextremen Wählerpotenzials absorbiert, was die gesellschaftliche Debatte über diese Themen weiter anheizt.
Die Situation an den Externsteinen und die bevorstehenden Veranstaltungen von Höcke verdeutlichen die anhaltende Relevanz dieser Themen und die Notwendigkeit, wachsam zu sein und gegen rechtsextreme Tendenzen vorzugehen. Besucher der Externsteine werden ermutigt, verdächtige Aktivitäten zu melden und somit zu einer aktiven Zivilgesellschaft beizutragen.
Für weiterführende Informationen kann auf die Originalquellen verwiesen werden: FAZ, WA, BPB.