Heute ist der 12.02.2026 und die Berlinale steht vor der Tür. Die Eröffnungsnacht des renommierten Filmfestivals wird mit dem Film „No Good Men“ der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat eingeläutet. Sadat hat unter dramatischen Bedingungen Afghanistan verlassen und bringt nun ihre Erfahrungen und Perspektiven nach Deutschland. Ihr Film, der ursprünglich als Komödie gedacht war, wurde in eine „romantische Komödie“ umgewandelt, um die nötigen Fördergelder zu sichern. Diese Anpassung verdeutlicht die Herausforderungen, mit denen Exilfilmemacher konfrontiert sind, und die bürokratischen Hürden, die oft überwunden werden müssen, um ihre Kunst zu verwirklichen.
Shahrbanoo Sadat ist keine Unbekannte in der internationalen Filmszene. Ihr vorheriger Film „Wolf and Sheep“ wurde 2016 in Cannes ausgezeichnet, was ihr internationale Anerkennung einbrachte. Nach ihrer Flucht stieß sie jedoch auf bürokratische Hürden, die es ihr erschwerten, in Deutschland am Skript von „No Good Men“ zu arbeiten. Unterstützung erhielt sie durch das Nipkow-Programm, das Filmemacher aus aller Welt nach Berlin einlädt. Diese Programme sind essentiell, um kreativen Köpfen, die unter Bedrohung leben, eine neue Perspektive zu bieten.
Unterstützung für Exilfilmemacher
Ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, denen sich Exilfilmemacher gegenübersehen, ist die iranische Filmemacherin Mahnaz Mohammadi. Sie hat ebenfalls am „Artist at Risk“-Programm teilgenommen und bringt ihren Film „Roya“ in die Sektion Panorama der Berlinale. Mohammadi hat sich unermüdlich für Frauenrechte eingesetzt, wurde jedoch aufgrund ihrer Aktivitäten mehrfach inhaftiert. Ihre Geschichte ist ein eindrückliches Zeugnis für den Mut und die Entschlossenheit von Künstlerinnen, die trotz widriger Umstände ihre Stimme erheben.
Die Bürokratie in Deutschland stellt eine große Hürde für Exilfilmemacher dar. Viele von ihnen ziehen daher in Länder wie Frankreich, wo die Bedingungen oft günstiger sind. Unterstützung erhalten sie häufig in Form von rechtlicher Beratung, wie im Fall der Hauptdarstellerin Mahsa Rostami aus dem Film „Die Saat des heiligen Feigenbaums“, die in Abwesenheit verurteilt wurde. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, den rechtlichen Rahmen zu verbessern, um kreativen Talenten eine Rückkehr in die Kunst zu ermöglichen.
Die Rolle der Bundesregierung
Die Unterstützung von geflüchteten Medienschaffenden ist auch ein zentrales Anliegen der Bundesregierung. Aktuell sind mehr als 108 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, viele darunter sind verfolgte Schriftstellerinnen, Publizisten und Medienschaffende. Um diese Gruppen zu unterstützen, wurden verschiedene Stipendienprogramme ins Leben gerufen, wie die Hannah-Arendt-Initiative, die Journalistinnen und Journalisten sowie Verteidigerinnen und Verteidiger der Meinungsfreiheit in Krisen- und Konfliktgebieten unterstützt. Diese Initiative bietet Stipendien und ein Workshopprogramm für Medienschaffende im Exil in Deutschland, um ihre Arbeitsfähigkeit schnell wiederherzustellen.
Darüber hinaus wurde 1999 das Stipendiaten-Programm „Writers in Exile“ ins Leben gerufen, das bis zu 15 Exilautorinnen und -autoren sowie Exiljournalistinnen und -journalisten ein sicheres Zuhause in Deutschland bietet. Diese Programme, die vollständig vom Bund finanziert werden, sind ein wichtiger Schritt, um eine Plattform für Stimmen zu schaffen, die oft zum Schweigen gebracht werden.
Es bleibt zu hoffen, dass mit Initiativen wie dem JX-Fund, der seit April 2022 geflüchtete Medienschaffende unterstützt, und der Förderung von Programmen wie „Writers in Exile“, die Sichtbarkeit und Wertschätzung für die Arbeit von Exilfilmemachern und -künstlern in Deutschland weiter steigen wird. Shahrbanoo Sadat wünscht sich mehr Diversität in den Filmförderungen, und es ist an der Zeit, dass dieser Wunsch gehört wird. Für die Berlinale 2026 und darüber hinaus ist es entscheidend, dass die Stimmen der Exilfilmemacher nicht nur gehört, sondern auch gefeiert werden.