Heute ist der 5.03.2026. Die Auswirkungen des Irankriegs auf die deutsche Wirtschaft sind ein heiß diskutiertes Thema. Fünf große Wirtschaftsforschungsinstitute haben in ihren neuesten Analysen festgestellt, dass der Konflikt im Iran aktuell keine ernsthafte Bedrohung für die deutsche Konjunktur darstellt. Auch wenn die Ökonomen große Unsicherheiten betonen, sind die bisherigen Reaktionen an den Öl- und Gasmärkten als undramatisch einzustufen, solange der Konflikt nur einige Monate andauert. So schätzt Stefan Kooths vom IfW, dass bei konstanten Öl- und Gaspreisen für drei Monate die Kaufkraft in Deutschland um über fünf Milliarden Euro entzogen wird, was mehr als einem Tausendstel der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht.
Kooths sieht keine nennenswerten Revisionen der Konjunkturaussichten durch den Irankonflikt, während der geschätzte Wachstumsverlust für die deutsche Wirtschaft bei etwa 0,2 Prozentpunkten liegt. DIW und Ifo-Institut teilen ähnliche Einschätzungen und betrachten den Konflikt als Kostenschock. Kritisch könnte es jedoch werden, wenn der Konflikt zu einem echten Öl- und Transportschock führt. Das DIW rechnet mit einem Minus von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten für das Wirtschaftswachstum. Dennoch gibt es auch positive Aspekte zu vermelden: Ein zusätzlicher Wachstumseffekt durch mehr Arbeitstage wird auf etwa 0,3 Prozentpunkte geschätzt, was die prognostizierte moderate BIP-Steigerung von rund einem Prozent unterstützt, unterstützt durch staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.
Inflationsdruck und Energiepreise
Philipp Lane, Chefvolkswirt der EZB, warnt vor Inflationsdruck und negativen Auswirkungen auf die Konjunktur durch einen längeren Krieg im Nahen Osten. Die Sperrung der Straße von Hormus und die gestoppten LNG-Lieferungen aus Katar haben zu steigenden Öl- und Gaspreisen geführt. Ölpreise sind um mehr als 10% gestiegen, und die Gaspreise haben noch stärker zugenommen; der niederländische TTF-Kontrakt hat den höchsten Stand seit Februar 2023 erreicht. Deutschland bezieht das meiste Flüssiggas aus den USA, Kanada oder Angola, wobei Katar einen Marktanteil von 8% hat. Die Schließung der Straße von Hormus beeinträchtigt sowohl europäische als auch asiatische Gasmärkte.
Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hängen stark von der Dauer des Konflikts ab. Sollte der Konflikt länger anhalten, könnten die Prognosen eine Inflationssteigerung von mehr als einem Prozentpunkt vorsehen. Die Bundesregierung geht vorerst nicht von Knappheiten bei Rohöl aus, doch die Gasspeicher in Deutschland sind nur zu 21% gefüllt, was unter dem EU-Schnitt von 30% liegt. Anstieg der Energiepreise könnte sich auf Handelsbilanzen, Inflationserwartungen und Währungsdruck auswirken. Torsten Schmidt vom RWI warnt zudem vor einem erneuten Preisschock für energieintensive Unternehmen.
Staatliche Investitionen und konjunkturelle Perspektiven
Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Unsicherheiten sind staatliche Investitionen von zentraler Bedeutung. Ziel des Sondervermögens Infrastruktur/Klimaneutralität (SV IK) ist die Stärkung des deutschen Potenzialwachstums durch staatliche Investitionen. Empirische Literatur zeigt positive Auswirkungen solcher Investitionen auf das Produktionspotenzial, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Forschung & Entwicklung (F&E). Die Effektivität der Investitionen hängt jedoch von der Ausgestaltung und dem Ausgangsniveau des öffentlichen Kapitalstocks ab.
Simulationen zur Abschätzung der Auswirkungen staatlicher Infrastrukturinvestitionen auf das Produktionspotenzial in Deutschland zeigen, dass zusätzliche staatliche Investitionen bis 2028 auf 0,5 % des BIP steigen sollen. Insgesamt wird mit zusätzlichen Investitionen zwischen 2026 und 2035 von rund 240 Mrd. € gerechnet. Dabei könnten die geschätzten Potenzialeffekte das Produktionspotenzial bis 2035 um 0,2 % bis 0,4 % erhöhen, wobei positive F&E-Effekte nicht außer Acht gelassen werden sollten. Unsicherheiten bei der Durchführung und den Kosten der Projekte sowie ein möglicher Fachkräftemangel könnten jedoch als Flaschenhals wirken.
Insgesamt bleibt die wirtschaftliche Situation in Deutschland angesichts des Irankriegs und der damit verbundenen Unsicherheiten angespannt. Eine langfristige Erhöhung des Produktionspotenzials um 0,3 % bis 0,5 % ist möglich, doch die kurzfristigen Herausforderungen erfordern eine sorgfältige Beobachtung und Reaktion auf die Entwicklungen in der Region.