Die Porsche Leipzig GmbH hat zum 1. Januar 2025 die Einführung der 35-Stundenwoche umgesetzt. Damit ist das Unternehmen das erste Automobilwerk im Osten Deutschlands, das eine solche Arbeitszeitregelung einführt, die für einen vollen Lohnausgleich sorgt. Dieses Ergebnis stellt einen bedeutsamen ökonomischen und sozialen Erfolg dar, insbesondere im Kontext der deutschen Wiedervereinigung. Die IG Metall hat sich in diesem Prozess stark für die soziale Einheit der Lebens- und Arbeitsbedingungen eingesetzt, auch wenn Unterschiede in Arbeitszeiten und Entgelten zwischen Ost- und Westdeutschland weiterhin bestehen.

Bereits in der Vergangenheit hatten Gewerkschaften in der BRD 1984 einen umfassenden Kampf um die Arbeitszeitverkürzung geführt. 1994 wurde die 35-Stundenwoche schließlich in der Metall- und Elektroindustrie festgeschrieben. In den 2010er Jahren fanden verschiedene Arbeitskampfmaßnahmen statt, die zu einer erneuten Debatte über die Angleichung der Arbeitszeiten führten. In diesem Rahmen kam es zu fünf ganztägigen Warnstreiks bei der Porsche Leipzig GmbH, die auf ein tarifliches Angleichungsgeld abzielten. Der Betriebsrat unter Vorsitz von Knut Lofski verhandelte erfolgreich eine Betriebsvereinbarung, die die schrittweise Absenkung der Arbeitszeit vorsah.

Die Stufen der Arbeitszeitreduzierung

Die Vereinbarung sieht zunächst eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 36,5 Stunden pro Woche zum 1. Januar 2022 vor, gefolgt von einer weiteren Absenkung auf 35 Stunden pro Woche, die nun in Kraft tritt. Im Zuge dieser Entwicklungen ruft die IG Metall zur Solidarität und Mitgliedschaft auf und hat eine Demonstration am 15. März 2025 in Leipzig sowie anderen Städten von 12 bis 14 Uhr angekündigt.

Eine umfassendere Sicht auf die Arbeitszeitverhältnisse im Osten Deutschlands zeigt, dass viele Beschäftigte hier für die gleiche Arbeit und das gleiche Entgelt nach wie vor länger arbeiten müssen. Laut einer aktuellen Erhebung haben in der letzten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie über 60 % der IG Metall-Mitglieder in tarifgebundenen Unternehmen eine Reduzierung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden pro Woche erreicht, wie IG Metall anmerkt.

Die positive Aufnahme der stufenweisen Arbeitszeitreduzierung wird von zahlreichen Vertretern der Branche unterstrichen. Nino Ludwig, Vertrauensperson bei BMW Leipzig, erklärt, dass die Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung zwar noch nicht spürbar sind, sie jedoch helfen werde, Minusstunden durch Kurzarbeit abzubauen. Auch kleinere und mittelständische Unternehmen setzen die Angleichung schrittweise um, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Beispiel ist Kocks Ardelt in Eberswalde, das ohne Warnstreik eine betriebliche Lösung zur Angleichung erreich konnte. Torsten Füllgraf, Betriebsratsvorsitzender von Kocks Ardelt, hebt die politische Dimension der Angleichung hervor, die durch ein Vieraugengespräch zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung realisiert wurde.