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Sonntag, 6. April 2025

Frühjahrsputz in Oberhof: 80 Helfer machen die Stadt blitzsauber!

Am 6. April 2025 fanden in Oberhof über 80 Helfer beim Frühjahrsputz zusammen, um die Umwelt rein zu halten und Unrat zu beseitigen.

Tod in der JVA Burg: Ermittelt wird gegen den Ehemann!

Nach dem Tötungsverdacht eines Mannes in der JVA Burg wird die Sicherheit während Langzeitbesuchen kritisch hinterfragt.

Entwarnung für Gera: Notruf 112 jetzt wieder erreichbar!

Entwarnung zu Notrufausfällen in Gera, Greiz und Umgebung am 5. April 2025: Technische Störung behoben, Sicherheit gewährleistet.

Oper über KZ-Aufseherin: Mit der Vergangenheit auf hoher See!

Am 5. April 2025 hebt die Oper „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg in Weimar die Vorhänge und zieht das Publikum in eine dramatische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Inszenierung befasst sich mit der komplexen Figur einer KZ-Aufseherin, die mit ihren schrecklichen Erinnerungen nicht entfliehen kann. Auf einer Schiffsreise nach Brasilien trifft sie zufällig auf eine ehemalige Gefangene. Diese Überfahrt wird zum Symbol für den Versuch, die Gräuel der Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Die Darstellung der Handlung erfolgt in zwei zeitlichen Ebenen: das Schiffsdeck als Schauplatz der Jetztzeit und Rückblenden ins KZ Auschwitz. Regisseur Jossi Wieler hebt hervor, wie herausfordernd es ist, Auschwitz auf der Bühne zu vermitteln und setzt auf eine Auffassung, die die Häftlinge nicht als gesichtslose Opfer, sondern als Menschen mit Geschichten zeigt: Musiker, Akademiker, Arbeiter, Lehrerinnen.

Die Hintergründe der Oper

Die Oper basiert auf dem autobiografischen Roman „Pasażerka“ von Zofia Posmysz, der 1962 veröffentlicht wurde. Posmysz, einst selbst Häftling in Konzentrationslagern, begann nach dem Zweiten Weltkrieg an der Universität Warschau zu studieren und arbeitete für Polskie Radio. Ihr Hörspiel „Pasażerka aus Kabine 45“ von 1959, das auf ihren Erinnerungen basiert, gilt als wegweisend in der Holocaust-Literatur. Es thematisiert das Leben und die Psyche einer SS-Aufseherin, die menschliche Züge zeigt und damit einen einzigartigen Einblick in die Geschichte bietet.

Die Verbindung zwischen Posmysz‘ literarischem Werk und der Oper findet sich auch im Libretto, das ursprünglich auf Russisch verfasst wurde. Für die Aufführung in Weimar wurde eine Neuübersetzung angefertigt, um die Erzählung klarer und emotionaler zu gestalten. Weinbergs Musik wird als gestisch und plastisch beschrieben, was die gesamte Erzählung stützt und verstärkt.

Erinnerungskultur und gesellschaftliche Reflexion

Wieler bringt seine persönlichen Erfahrungen zur Thematik ein, da seine Familie während des Holocaust in der Schweiz war. Die Inszenierung lässt sich auch in den Kontext der Weimarer Dramaturgie einordnen, die in den letzten Jahren durch mutige Spielpläne Aufsehen erregt hat. Wieler betont die zentrale Rolle des Theaters in der Erinnerungskultur und dafür, Gesellschaftsutopien zu erzählen. Besonders die Tatsache, dass die Befreiung des KZ Buchenwald 80 Jahre zurückliegt und Zeitzeugen kaum noch vorhanden sind, macht die Wiederbegegnung mit diesen Themen umso wichtiger.

In der Diskussion um Erinnerungskulturen wird zunehmend das Konzept des „multidirectional memory“ von Michael Rothberg berücksichtigt, das die Komplexität und Vielschichtigkeit von Gedächtnisprozessen unterstreicht. Dies spiegelt auch die Anstrengungen wider, über den Opferwettbewerb hinaus ein solidarisches Erinnern zu fördern.

Die Aufführung in Weimar bietet nicht nur einen Blick zurück in die Vergangenheit, sondern schafft auch einen Raum für kritische Reflexion und gemeinsames Gedenken. Die innovative Herangehensweise an die Thematik, verbunden mit der musikalischen Kraft Weinbergs, macht die Inszenierung zu einem bedeutsamen Ereignis in der Kulturlandschaft.

Die Inszenierung ist ein Zeichen der Weimarer Dynamik im Musiktheater und gewährt einen eindrucksvollen Dialog mit einer bewegten Vergangenheit, die weiterhin Fragen aufwirft und uns zum Nachdenken anregt.

Für weitere Informationen über die Hintergründe und die Entstehung der Oper berichtet MDR umfassend. Über Zofia Posmysz und ihr Werk können Details bei Wikipedia nachgelesen werden. Zusätzliche Einblicke in die kulturellen und historischen Implikationen finden sich in der Studie auf De Gruyter.

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